60 Jahre ohwehzapft is

60JBWh

Demonstration gegen deutschen Militarismus am 11.11.15

Am Montag, den 11. November fand eine kleine, aber feine antimilitaristische Demonstration in Berlin gegen den „großen Zapfenstreich“ der Bundeswehr zum 60jährigen Bestehen statt. Sie ging vom Rosenthaler Platz bis Ecke Wilhelmstr./Unter den Linden. Weiter durften die Demonstranten nicht, die scheinbar von der Polizei als „Störer“ angesehen wurden. Der „Zapfenstreich“ fand auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude statt.

Picket von der Demonstratio

Picket auf der Demonstration

Die Überschrift dieses Blogbeitragase „hwehzapft“ bezieht sich auf den Begriff „Zapfenstreich„, der eng mit dem Ende der Einverleibung von Bier (gilt als deutsches Nationalgetränk) verbunden ist. Auf dem Oktoberfest in München, das auch stets von dem bayerischen Militärbefürworter Franz Jose Strauss besucht wurde, ertönt nun schon seit 200 Jahren der Schlachtruf „o’zapft is“. Patriarchale Trinkgelage, Stammtische und Rassismus gehören zusammen und setzen sich auch nach dem „Zapfenstreich“ fort. Politik ist die Weiterführung des Krieges mit anderen Mitteln. Der 2. Weltkrieg ging – insbesondere – im Nahen Osten weiter, weil Kairo Hauptwirkungsstätte ehemaliger deutscher Nazis wurde. Über die „Rattenlinien“ flüchteten deutsche Nazis in viele Staaten, wurde dort zu Militär- und Geheimdienstberatern und verhalfen der deutschen Rüstungsindustrie, unterstützt vom BND, später zu Exporten. Einer der bekanntesten deutschen Waffenexporteure ist Gerhard Mertins, der sich scheinbar den früheren NS-Waffendealer Rudolf Ruscheweyh zum Vorbild nahm. Mertins bewaffnete auch die Faschisten „Patria y Libertad“ in Chile, die Straßenschlachten gegen Sozialisten organisierte und am Putsch gegen Allende beteiligt war. Nach dem Putsch wurden Tausende von linken Aktivist*innen ermordete. Mertins nutzte für seine Waffendeals an die „Contras“ in Chile die deutsche „Colonia Dignidad„, in der später sehr viele linksgerichtete chilenische Aktivist*innen zu Tode gefoltert wurde und das ein Zentrum und Ausgangsort des Militärputsches war. Die CDU/CSU hielt stets ihre schützende Hand über diese Kolonie. In der Kolonie hing ein Portrait von Franz Josef Strauss, der dort gerngesehener Gast war. Ach ja, die „Kolonie der Würde“, besser „Kolonie der Würger“ geheißen hätte, nennt sich jetzt „Villa Baviera“, feiert dort das Oktoberfest und streichelt den Zapfen.

Ach ja, bitte nicht vergessen: Der Thinktank des deutschen Militarismus, die Clausewitz-Gesellschaft, die auch die monatliche Zeitschrift „Europäische Sicherheit & Technik“ herausbringt, hält weiterhin seine schützende Hand über Nazi-Kriegsverbrecher.

Auch deshalb ist es wichtig, den deutschen Militarismus zu überwinden!

Hier die Aufrufe zur Demonstration und hier eine etwas ausführlichere Darstellung der Demo:

http://nowar.blogsport.de/2015/10/19/antimilitaristische-demonstration-zapfenstreich-abpfeifen-bundeswehr-aufloesen-60-jahre-bundeswehr-kein-grund-zu-feiern/

http://nowar.blogsport.de/2015/10/19/antimilitaristische-demonstration-zapfenstreich-abpfeifen-bundeswehr-aufloesen-60-jahre-bundeswehr-kein-grund-zu-feiern/

Auf der Demonstration gab es Redebeiträge, die sich mit der Geschichte der Bundeswehr beschäftigten, es wurde gegen Krieg und Rüstungsexporte protestiert sowie beschrieben, dass bereits in Schulen versucht wird, Rekruten zu gewinnen. Allein nur, wenn mensch sich vor Augen führt, wer den Namen „Bundeswehr“ erdacht hat, nämlich Hasso von Manteuffel, kommt einem das Grausen. Einen breiten Raum nahmen auch Beiträge ein, die sich mit dem Zusammenhang von Bundeswehr, Rüstung/Krieg und Fluchtbewegungen beschäftigten und deshalb zur Solidarität mit den Geflüchteten aufrief. Einer von ihnen – ein junger syrischer Geflüchteter kritisierte ebenfalls die Waffenlieferungen vieler Staaten an das Assad-Regime und die „Rebellen“, wodurch der Krieg dort immer grauenhafter wurde und deshalb immer mehr Syrer*innen in die Flucht trieb. Er beschrieb auch seine Situation in Berlin und sagte, dass er voller Hoffnung war, nach Deutschland zu kommen. Doch nun müsse er erleben, dass er und viele andere hier auf der Straße schlafen müssen und ihre Lebensperspektive in Deutschland immer unsicherer wird, weil es fast täglich neue Beschlüsse gäbe.

Auf der Demonstration wurde auch folgendes Flugblatt verteilt:

Bye, bye, Kasernenstaat !!!

Wer „Ja“ zu Kapital, Staat. Volk, Vaterland und Nation sagt, wird auch zwangsläufig für deren Kriege vereinnahmt. Dieser Aufruf richtet sich deshalb folgerichtig an die, die sich nicht (mehr) vereinnahmen lassen wollen und außerdem:

  • sich nicht haben korrumpieren lassen
  • Realpolitik als stumpfsinnig und konterrevolutionär ansehen
  • sich immer schon vor den Mittelstandsplattitüden der „Grünen“ und „die Linke“ geekelt haben
  • hinter den Begriffen „Volk“ und „Nation“, „Heimat“ und „Vaterland“ die Demagogie der Herrscherclique wittern und diese entlarven und bekämpfen
  • das Ziel einer besseren Gesellschaft/Welt, die auf dem menschlichen Wohlbefinden beruht, immer noch in sich tragen

Um zu einer emanzipatorischen, sozialen und humanistischen Gesellschaft zu gelangen, ist es unumgänglich, daß die „heiligen Kühe“ der heutigen Macht in Grund und Boden analysiert und kritisiert werden müssen. Es geht um nichts anderes, als die Mumien der Macht und Dissozialität von ihren ver(gr)eisten Gemütern und bleiernen Stühlen zu befreien, in dem wir letztere zum Schmelzen bringen. Unser Ziel: Die kollektive SelbstzuFRIEDENheit und Wohlbefinden für jedes menschliche Individuum!

Das heutige Zeitalter der generalisierten und kriegerischen Logistik zwingt uns dazu, zu behirnen, wie wir die gerontokratischen, orden-D-lichen Generäle in Unordnung und die nationalen Front- und Parteiensoldaten in den frühzeitigen Ruhestand befördern können.

Müsste nicht alles zertrümmert werden, was aus dem Menschen ein geknechtetes, der Verachtung preisgegebenes Wesen und dieses zunehmend zum Kanonen- und Drohnenfutter macht?

In diesem Sinne: Lasst uns das permanente Truppengelöbnis der Heere der Lohnarbeit, der industriellen Reservearmee, der Killerei an der Außen-, Heimat- und Nachwuchsfront vorsichtig stören und nachhaltig überwinden! Das Haupthindernis für eine soziale Welt und menschliche Emanzipation ist die Diktatur der Ware und des Wertes! Hören wir auf, vor diesem totalitären und tödlichen Frieden zu Kreuze zu kriechen! Denn schon zu lange leben wir alle in einer Kaserne mit verlängertem Hofgang und demo-kratischem Drill der Sachzwänge!

Zweifelsfrei gilt dies auch für die Hirnverwurstungskasernen: den Schulen und Universitäten! Deshalb: Beteiligen wir uns am Refugee- Schul- und Unistreik, gründen wir Streikkollektive, rufen wir zu Versammlungen auf und gehen zur Demonstration am Donnerstag, den 19.November um 11:00 Ihr am Potsdamer Platz ! Refugees und alle Menschen: Raus aus den Kasernen – hinein in gute Lebensverhältnisse! Mehr zur Demo und Mobilisierung: refugeeschulstreik.wordpress.com und facebook.com/refugeeschulstreikberlin/

FÜR GUT VERNETZTEN VOLKS- UND SOZIAL ORGANISIERTEN VATERLANDSVERRAT!

 

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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2 Antworten zu 60 Jahre ohwehzapft is

  1. Ostfrieslanduwe schreibt:

    Das ist deine Meinung und die darfst Du auch gerne haben. Ich bin/war über 30 Jahre selbst Soldat und habe das immer wieder bemerkt das man nicht gern gesehen ist. Was soll ich sagen, ich habe es überlebt und hätte ich ein zweites leben, gut, da müsste ich überlegen den Beruf nochmals auszuüben. Als ich mich 1979 entschlossen habe, nicht nur den Wehrdienst abzuleisten sondern Berufsoldat zu werden war mir bewusst, dass ich mich entschlossen hatte für unsere Heimat zu kämpfen und Notfalls zu töten.
    Ich aktzeptiere es, dass ein Großteil der Bevölkerung das nicht anerkennt, weil sie nicht wissen welche Überwindung es kostet wirklich zu schießen oder sich überhaupt erstmal sich dafür bereitzuerklären solch einen Job zu machen, oder sie denken das man pazifistisch sein muss. Nur, wenn ein Feind in deiner Heimat steht bringt es dir auch nichts zu sagen „ich wollte keinen Krieg“ und trotzdem wird er Dich töten.
    MfG
    OStFw. Uwe

  2. alikase99 schreibt:

    Whow, stelle gerade fest. dass es an der Universität der Bundeswehr „Ascher gegen Jahn – ein Freiheitskrieg“ von Peter Hacks gibt: http://www.worldcat.org/title/ascher-gegen-jahn-ein-freiheitskrieg/oclc/25800986 —- Ist wohl „olle“ Wolfssohn zu verdanken? Wer hat sich den Werbespruch: „Wir kämpfen auch dafür, dass Ihr gegen uns sein dürft“ ausgedacht? Der ist echt clever. Ich habe nichts gegen Dich, Uwe. Du hast einen guten Charakter. Ich komme mehr aus der Gesellschaftskritik (habe ich von meiner Mutter, die eine äußerst kritische und kluge Frau war) und mir geht es um die Funktion des Staates und seines Gewaltmonopoles. Er dient nicht uns, sondern nur den Reichen und Mächtigen. Die Soldaten und auch Polizisten sind nur Werkzeuge deren Habgier-Interessen und sind Erfüllungsgehilfen für die Profite der Waffenindustrie, notfalls als „Kanonenfutter“. Und deshalb gibt es auch keine „gerechten Kriege“. Dies ist ein globales Problem.
    Kennst Du eigentlich dies hier? : http://www.afghanistan-connection.de/

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