update: Kondolenz in Halle

Ich bin voller Zorn über die  Art und Weise, wie mit dem rechtsterroristischen Anschlag in Halle seitens der Bundesregierung und Mainstreammedien umgegangen wird.

Zwar galt der Anschlag den anwesenden Juden und Jüdinnen in der Synagoge, doch der Täter suchte sich andere Opfer, da die Tür seinen Öffnungsattacken stand hielt. Die Jüdische Gemeinde hatte dementsprechend Glück gehabt und für sie war dies ein Grund zum feiern, doch es wurden zwei Menschen getötet, die von ihren Angehörigen vermisst werden. Es gab auch traumatisierte Zeugen, wie den Inhaber des Imbiss Izzet Cagac und Mitarbeiter des Imbiss.

Statt sich auch ihnen zu widmen bzw. den Angehörigen von Jana und Kevin (zwei jungen Menschen) Beileid auszusprechen bzw. zu kondulieren (wie es üblich ist), besuchte der deutsche Bundespräsident – wie es die deutschen Medien und die Nachrichtenagentur reuters darstellten – nur die Synagoge.

Die Mainstream-Medien berichteten außerdem fast nur über den Killer. Hier ist ein Tweet, der das kritisiert und die einen Artikel mit Bericht über die Mutter von Kevin veröffentlicht hat:

Solch ein Verhalten der politischen Propaganda im politischen Establishment und ihren Medien zeigt auf, dass ihnen traumatisierte, trauernde Menschen völlig gleichgültig sind. Er existiert weder Empathie noch Würde. Damit wird die Gesellschaft die Gesellschaft gespalten und Antisemitismus geschürt. Dies deshalb, weil dieses Verhalten suggeriert, jüdisches Leben wäre bedeutender als das von anderen. Bei unreflektieren Menschen kann dies zu Neid führen, aus dem dann Opfer-Konkurrenz und Antisemitismus erwächst.

An dieser Stelle möchte ich mich deshalb sehr herzlich bei Herrn Izzet Cagac für sein vernünftiges Verhalten bedanken und dafür, dass er dies thematisierte.

Ich habe mir noch einmal das Foto von dpa / Jan Woitas angeschaut, das von Deutschlandfunk am 10.10. publiziert wurde und ich gehe auf die nonverbale Ausstrahlung der darauf Abgebildeten ein und mache es mal so, wie es die Zeitschrift „STERN“ mal machte: „Prominenten in den Mund geschoben“, allerdings als Gedankenblase. Dass ich zunächst an folgendes dachte

„Denen gehe ich jetzt mal ihr Fest versauen!“

hat mich dann doch schockiert. Aber so wirken diese Apparatschiks nun einmal auf mich.

Von jüdischer Seite wird dieser Anschlag als „Das Wunder von Halle“ in die Geschichte eingehen:

„Nach jüdischem Verständnis handelt es sich um ein Wunder. Trotz massiver Waffengewalt und fehlenden Polizeischutz wird keinem der Betenden ein Leid angetan. Alle Juden sollen Gott danken, dass Er sie errettet hat.“ Dr. Nathan Warzawski

Da ich religiöse Juden/Jüdinnen kenne, weiss ich, dass sie in solchen Momenten (normalerweise nachdem das Shofar ertönt, wird die Vergebung gefeiert) HaShem lobpreisen. Dies werden sicher viele am 10.10. gemacht haben. Ferner gibt es auch noch die menschliche Seite: Nach einer Situation, in der mensch in Lebensgefahr war und diese unbeschadet überstanden wurde, fühlt man sich – sofern man das Leben liebt – in Feierstimmung und fast so wie „neu geboren“. Menschen, die so etwas erlebt haben, sprechen oftmals von dem 2. Leben und leben danach viel intensiver.

Es könnte also sein, dass der 9. Oktober gemäß des gregorianischen Kalenders ähnlich wie das „Purim“-Fest gefeiert wird: Als Tag, an dem die Ermordung von Juden vereitelt wurde. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass die Mesusa bald einen Sinnspruch erhält, in der der Tür des Synagoge in Halle gedacht wird.

Auch der „embedded Journalism“ bzw. das Hofschranzentum der deutschen Medien widert mich an, denn auch darin wurde nur von der Synagoge gesprochen:

Es hätte z.B. auch heißen können: F.-W. Steinmeier besucht die jüdische Gemeinde in Halle. Die Medien hätten z.B. auch mal nach dem Tischler der Tür recherchieren und diesen lobend erwähnen können…

Auf der Primärquelle ist jedoch und außerdem folgendes zu lesen:

Der Protest von vielen Bürgern hatte Erfolg: Bundespräsident Steinmeier drückt Dönerbesitzer in Halle sein Mitgefühl aus

Dass sich an den Medien und dem Verhalten des politischen Establishments etwas ändert,bezweifel ich jedoch. Denn es ist inzwischen eine Aufmerksamkeitsprofitmaschinerie, die auch die sozialen Medien vergiftet und die Menschen immer asozialer macht.

Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. Wir haben nur EINE Mutter Erde und sollten sie für die nächste Generation schützen. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern. We have only ONE mother earth and shall protect her for the following generation.
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