Social? Media?

Ich stieß heute in der Bibliothek auf das Buch von Jaron Lanier „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ und war sofort begeistert. Der Typ schreibt echt gut und hat mich im Vergleich zwischen Katzen und Hunden gleich gepackt. Denn: Ich mag Katzen mehr als Hunde, da Katzen sich nun einmal nicht abrichten lassen und ihre Individualität behaupten. Allerdings nervt mich unsere Hauskatze hin und wieder: Immer, wenn ich im Garten auf dem Tisch ein Plakat malen will, setzt sie sich mitten auf das Plakat. Es wirkt fast so, als wolle sie einfordern, dass ich sie malen soll.

Doch kommen wir nun zur gegenwärtigen Gesellschaft der (Pawlowschen) Hunde: Als das Internet in den 80er und 90er Jahren Einzug in mein Leben hielt, war ich anfangs sehr begeistert. Ich liebe Kommunikation und der Eindruck, mit Menschen global in Kontakt treten zu können, hat mich fasziniert. Dementsprechend habe ich in einem Rechenzentrum einer Hochschule daran mitgearbeitet, die Hochschulen zu vernetzen und geguckt, welche Usenet-Gruppen und Mailinglisten für die Studierenden zur Verfügung stehen. Es war eh eine Zeit, die mensch als „Tauwetter-Periode“ bezeichnen konnte. Dies, weil sich der sogenannte „Warschauer Pakt“ auflöste und es so schien, als ob nun auch der militärisch-industrielle Komplex der USA „zivilisiert“ werden würde.

Nun, Edward Snowden hat uns diese Illusionen genommen. Wir wissen, dass es dazu benutzt wurde, uns zu kontrollieren und zu überwachen. Auch die sogenannte „freie Marktwirtschaft“ schnürt aus unseren Daten Pakte, die verhökert werden, um die Aufmerksamkeitsökonomie noch schärfer und zielgerichteter auf uns anzuwenden. Nicht nur das: Das Internet und die sogenannten „Social Media“ werden dazu benutzt, um uns auch politisch zu manipulieren. Der „Cambridge-Analytica-Skandal“ beweist dies.

Außerdem: Die auf Kapitalakkumulation beruhende Gesellschaft ist eine brutale Konkurrenzgesellschaft, die Dissozialität bedeutet. Wenn es kein richtiges Leben im falsche gibt, kann es auch keine sozialen Medien in einer Gesellschaft der Dissozialität geben.

Nun muss ich etwas zum Begriff es Sozialen schreiben: Natürlich ist meiner subjektiv, d.h. ich nehme mich als denkendes und handelndes Individuum wahr. Ich entstamme einer Familie, die durch die christliche Sozialethik geprägt wurde. Dies bedeutete: einander beizustehen, sich um Fürsorge für Gebrechliche zu bemühen bzw. es war/ist selbstverständlich, ihnen zu helfen. Freundschaft, Ehrlichkeit, Vertrauen und Rücksicht auf die Bedürfnisse und Bedürftigkeiten unseres Gegenübers gehör(t)en zu den Essentials im gegenseitigen Umgang. Und die Ethik von Kant. die er im „kategorischen Imperiativ“ dargelegt hat, kindgerecht aufbereitet in „Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu“ waren Teil meiner Erziehung. Dies ist denkbar einfach und handhabbar, da davon ausgegangen wird, psychisches Leid und physischen Schmerz von Lebewesen fernzuhalten.

Die sogenannten „sozialen Medien“ funktionieren allerdings nach dem Prinzip: Die Quantität erschlägt die Qualität. Belohnt werden nur die, die eine Masse an Zuschauern und Followern haben. Nur dann gehören sie zum Kreis jener, die als „bedeutend“ erkoren werden. So funktioniert die Aufmerksamkeitsökonomie, die Teil der politischen Ökonomie ist. Das ist nichts anderes als Propaganda, Marketing. Und leider funktioniert sie auch bereits im Alltag. Viele machen sich zu kostenlosen Werbeträgern von Firmen, wie Adidas oder Nike. Auch die Plastikflut ist Teil der Werbeflut, die uns überschwemmt. Und imho ist diese für Mensch und Natur bzw. die Menschennatur und viele andere Lebewesen weitaus unbekömmlicher als die „gestrandeten Menschen“ in Rettungsbooten. Die vielen Länder, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollten lieber die Plastikflut eindämmen, statt das Asylrecht zu eliminieren!

Doch kommen wir zurück auf „Social Media“: Nachdem ich in dem Buch von Jaron Lanier herumgeblättert hatte und mich dazu entschied, es mir auszuleihen und öffentlich daraus im „Lesetresen“ vorzulesen, stieß ich heute abend, nachdem ich Firefox aufrief auf den Zeit-Artikel „Ein Leben nach dem Internet. Jetzt.“ von Anna Miller. Meiner Auffassung gemäß beklagt sie in ihrem Artikel die Dissozialität, die durch das IKT-Technologie hervorgerufen wird. Fakt ist aber: Sie war vorher schon da und wird von dieser Technologie nur verstärkt.

Schon vor einiger Zeit habe ich mal einen Flyer verteilt, dass ein guter Nachbar wichtiger sei als ein entfernter Facebookfreund… Doch nun gibt es „nebenan.de„. Schon ein Blick auf die Teamseite zeigt, dass auch darin um Aufmerksamkeitsökonomie geht:

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In den Datenschutzrichtlinien heißt es:

2.11.1. Facebook Conversion- und Retargeting-Tags

Unsere Webseite verwendet zu Marketingzwecken sog. Conversion- und Retargeting-Tags (auch „Facebook-Pixel“) des sozialen Netzwerks Facebook, einem Dienst der Facebook Inc., 1601 Willow Road, Menlo Park, California 94025, USA („Facebook“). Wir nutzen Facebook-Pixel, um die allgemeine Nutzung unserer Webseite zu analysieren und die Wirksamkeit von Facebook-Werbung nachzuvollziehen („Conversion“). Zudem nutzen wir die Facebook-Pixel um dir momentan oder zukünftig anhand deines Interesses für unseren Service individualisierte Werbebotschaften auszuspielen („Retargeting“). Facebook verarbeitet dafür Daten, die der Dienst über Cookies und ähnliche Technologien auf unserer Webseite erhebt.

Die in diesem Zusammenhang anfallenden Daten können von Facebook zur Auswertung an einen Server in den USA übertragen und dort gespeichert werden. Für den Fall, dass personenbezogene Daten in die USA übertragen werden, hat sich Facebook dem EU-US Privacy Shield unterworfen.

Falls du Mitglied bei Facebook bist und es Facebook über die Privatsphären-Einstellungen deines Kontos erlaubt hast, kann Facebook die über deinen Besuch bei uns erfassten Informationen zudem mit deinem Mitgliedskonto verknüpfen und für die zielgerichtete Schaltung von Facebook-Ads benutzen. Die Privatsphären-Einstellungen deines Facebook-Profils kannst du jederzeit einsehen und ändern. Wenn du kein Facebook-Mitglied bist, kannst du die Datenverarbeitung durch Facebook unterbinden, indem du auf der zuvor erwähnten TRUSTe-Webseite den Deaktivierungs-Schalter für den Anbieter „Facebook“ betätigst. Die Datenverarbeitung kannst du weiterhin unterbinden, indem du einen Haken in dem Kästchen „Browser-Tracking deaktivieren“ am Ende dieser Datenschutzerklärung setzt.

Wenn du die Datenverarbeitung durch Facebook deaktivierst, wird Facebook nur noch generelle Facebook-Ads anzeigen, die nicht anhand der über dich erfassten Informationen ausgewählt werden.

Nähere Informationen hierzu findest du in der Datenrichtlinie von Facebook.

2.11.2. Google AdWords Conversion-Tracking und Remarketing

Unsere Webseite nutzt die Dienste „AdWords Conversion-Tracking“ und „AdWords Remarketing“ der Google Ireland Limited, Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland („Google“). Mittels „AdWords Conversion-Tracking“ werden von uns definierte Nutzeraktionen erfasst (wie beispielsweise das Klicken auf bestimmte Teile der Webseite, Seitenaufrufe, Downloads) und analysiert. „AdWords Remarketing“ nutzen wir momentan oder zukünftig, um dir individualisierte Werbebotschaften für unseren Service auf Partnerwebseiten und innerhalb des Suchnetzwerks von Google anzuzeigen. Beide Dienste setzen dafür Cookies und ähnliche Technologien ein. Die in diesem Zusammenhang anfallenden Daten können von Google zur Auswertung an einen Server in den USA übertragen und dort gespeichert werden. Für den Fall, dass personenbezogene Daten in die USA übertragen werden, hat sich Google dem EU-US Privacy Shield unterworfen.

Falls du ein Google-Konto verwendest, kann Google je nach den im Google-Konto hinterlegten Einstellungen deinen Web- und App-Browserverlauf mit Ihrem Google-Konto verknüpfen und Informationen aus deinem Google-Konto zum Personalisieren von Anzeigen verwenden. Wenn du diese Zuordnung zu deinem Google-Konto nicht wünschst, logge dich vor dem Aufruf unserer Webseite bei Google aus.

Du kannst, wie bereits erläutert, deinen Browser so konfigurieren, dass er Cookies abweist. Zudem kannst du in den Cookie-Einstellungen der Datenschutzerklärung von Google verhindern, dass Google Cookies zu Werbezwecken verwenden.

Nähere Informationen hierzu findest du in der Datenschutzerklärung von Google.

2.11.3. Google Analytics

Diese Webseite verwendet Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Ireland Limited, Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland („Google“). Google Analytics verwendet Cookies und ähnliche Technologien, um unsere Webseite anhand deines Nutzerverhaltens zu analysieren und verbessern zu können. Die in diesem Zusammenhang anfallenden Daten können von Google zur Auswertung an einen Server in den USA übertragen und dort gespeichert werden. Für den Fall, dass personenbezogene Daten in die USA übertragen werden, hat sich Google dem EU-US Privacy Shield unterworfen. Deine IP-Adresse wird jedoch vor der Auswertung der Nutzungsstatistiken gekürzt, sodass keine Rückschlüsse auf deine Identität erfolgen können. Hierzu wurde Google Analytics auf unserer Webseite um den Code „anonymizeIP“ erweitert (sog. IP-Masking), um eine anonymisierte Erfassung von IP-Adressen zu gewährleisten.

Google wird die durch die Cookies gewonnenen Informationen verarbeiten, um deine Nutzung der Webseite auszuwerten, um Reports über die Webseitenaktivitäten für die Webseitenbetreiber zusammenzustellen und um weitere mit der Webseitennutzung und der Internetnutzung verbundene Dienstleistungen zu erbringen.

Wie bereits erläutert, kannst du deinen Browser so konfigurieren, dass er Cookies abweist, oder du kannst die Erfassung der durch Cookies erzeugten und auf deine Nutzung unserer Webseite bezogenen Daten in den Cookie-Einstellungen der Datenschutzerklärung von Google verhindern. Alternativ dazu kannst du die Verarbeitung dieser Daten durch Google auch verhindern, indem du das von Google bereitgestellte Browser-Add-On herunterlädst und installierst (das Installieren des Add-Ons funktioniert leider nicht bei mobilen Endgeräten).

Nähere Informationen hierzu findest du in der Datenschutzerklärung von Google Analytics.

2.11.4. Unbounce

Unsere Webseite verwendet unbounce, einen Dienst der unbounce Marketing Solutions Inc., 400-401 West Georgia Street, Vancouver, BC, V6B 5A1 Kanada („Unbouce MS“). unbounce ist oder wird für bestimmte Seiten von Aktionen und Werbekampagnen (Landingpages) verwendet.

Diese Seiten werden von Unbounce MS gehostet und der Browser des Users kommuniziert dabei direkt mit dem unbounce, so dass die IP-Adresse des Users übermittelt wird und Cookies gesetzt werden können. Auch alle Angaben die vom User auf diesen Seiten eingegeben werden, werden bei unbounce gespeichert. Eine Auswertung der Aktivitäten wird zur Verfügung gestellt.

Wir haben mit Unbounce MS einen speziellen Vertrag abgeschlossen, der den Erfordernissen in Hinblick auf die Standardvertragsklauseln der Europäischen Kommission entspricht.

Weitere Informationen zu Unbounce MS und dem Datenschutz bei Verwendung des Diensts unbounce findest du hier: https://unbounce.com/privacy/

Damit ist bewiesen und angekündigt, dass auch von dieser Firma dicke Datenpakete von unserem nachbarschaftlichen Engagement geschnürt werden und die High-Tech-Firmen uns und unsere Vorlieben und Gewohnheiten bald besser kennen als unsere besten Freund*innen. Erst vor einer Woche wurde wieder ein neuer Datenskandal im Kontext von Instagram (gehört wie what’sApp zu Facebook) bekannt:

Ein Startup aus San Francisco hat heimlich massenhaft Daten von Instagram-Nutzern gesammelt. Konkret wurden Millionen „Stories“ und Standortdaten gespeichert. Die Informationen hat die Marketing-Firma Hyp3r offenbar genutzt, um detaillierte Werbeprofile von Nutzern zu erstellen – inklusive Bewegungsmustern und möglichen Interessen. Der Vorfall ruft Erinnerungen an den Skandal um Cambridge Analytica wach: Im März 2018 kam ans Licht, dass die Analysefirma Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern abgegriffen hatte. Instagram gehört seit 2012 zu Facebook. (Quelle: heise)

Dieser ist aber nur einer von vielen Skandalen der Datenkraken. Worin mündet diese Praxis der Aufmerksamkeitsökonomie? Ich habe ein Horror-Szenario im Kopf: Amazon wird sich in den Immobilien-Sektor einmischen, darin marktführend und vermietet nur noch Wohnungen, in denen Alexa installiert ist, das uns husten hört  und uns darauf hin dann ein Medikament – ebenfalls über Amazon – bestellt.

Tatsächlich ist diese social-medial-Gesellschaft eine Mischung aus Huxleys „Schöner neuer Welt“ und Orwells „1984„. Die gegenwärtigen politischen Verhältnisse entwickeln einen Drall ins Autoritäre und Totalitäre, was  ebenfalls in den beiden Büchern genannt wird.

Doch zurück zur Frage, ob und wie wir aus den Social Media aussteigen müssen, sollen, können. Diese Frage beschäftigt die FOSS-Community schon lange und sie hat Alternativen dafür entwickelt, die nur  noch genutzt zu werden brauchen:

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Mehr dazu hier und da. Viel Spaß beim Löschen der Facebook-Accounts und dem Ausprobieren von Fediverse!

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. Wir haben nur EINE Mutter Erde und sollten sie für die nächste Generation schützen. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern. We have only ONE mother earth and shall protect her for the following generation.
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