Die „Sozial“demokratie und der Krieg

Noch haben wir – neben dem „Luther-Jahr“ – das „Kapital-Jahr“; d.h. vor 150 Jahren wurde der 1. Band des „KAPITAL“ publiziert, in dem Karl Marx die Ergebnisse seiner Forschung zur „politischen Ökonomie“ darstellte und damit eine neue Wissenschaft schuf: die „Kritik der politischen Ökonomie“. Karl Marx fiel in seiner Jugendzeit auf, wie entfremdet die Menschen lebten und dass die Grundbedürfnisse des Menschen nicht geachtet werden. Die philosophisch-ökonomischen Manuskripte (auch „Pariser Manuskripte“ genannt) legen Zeugnis darüber ab, wie sehr ihn diese Entfremdung berührte. Ich bin mir auch sicher, dass er darüber viel mit Jenny Marx, seiner Ehefrau sprach und die das Bewusstsein von Karl Marx auch bezüglich der Entfremdung zwischen den Geschlechtern und des Verlustes der Gattungsidentität schärfte.

Am heutigen Tag von hundertunddrei Jahren stimmt die Sozialdemokratie den Kriegskrediten zu und ist seitdem keine humanistisch gesinnte Arbeiterpartei mehr. Dies, weil sie damit völlig auf die Seite des Kapitals wechselte, das durch die Notwendigkeit der erweiterten Reproduktion des Kapitals (auf Basis von Akkumulation und Verwertungszwängen) imperialistisch wurde, d.h. neue Absatzmärkte benötigte und auf einen unter Engländern und Franzosen beherrschten Weltmarkt prallte. Da die Sozialdemokratie sich zuvor auf die französische Revolution sowie humanistische Grundwerte berief, verriet sie mit ihrer zunehmenden Ablehnung einer proletarisch-kommunistischen Revolution selbst die bürgerlichen Freiheitsrechte, die durch die Französische Revolution erkämpft wurden sowie die humanistischen Ideale und zeigte 1914 auf, dass all diese idealistischen Werte nicht mehr zählten.  Der SPIEGEL ONLINE nannte es: „Der Sündenfall der SPD“. Darin steht:

(…) Die Taktik, das Deutsche Reich als argloses Opfer einer russischen Aggression darzustellen, ging perfekt auf. Am Abend des 31. Juli 1914 teilte das Kriegsministerium den militärischen Kommandos mit, „nach sicherer Mitteilung“ habe die SPD „die feste Absicht, sich so zu verhalten, wie es sich für jeden Deutschen unter den gegenwärtigen Verhältnissen geziemt“. Buchstäblich über Nacht schlug die Stimmung auch bei den Arbeitern um.

Dazu trug die sozialdemokratische Presse bei, die nun insgesamt auf die offizielle Propaganda hereinfiel, die Armee werde nur zur Verteidigung mobilisiert – russische Barbarenhorden seien schon im Anmarsch. Instinktiv entschied sich die Arbeiterschaft für ihre vermeintlich bedrohte Heimat.

Die deutschen Gewerkschaftsvorstände riefen bereits am 2. August zur Einstellung aller Lohnkämpfe auf, zur patriotischen Zusammenarbeit mit dem alten Klassenfeind. Mit dieser Haltung, die als „Burgfrieden“ in die Geschichte des Ersten Weltkriegs einging, nahmen sie in vorauseilendem Gehorsam den berühmten Appell Wilhelms II. vorweg, der erst zwei Tage später kam: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!“ An diesem 4. August 1914 geschah dann auch im Reichstag, was bis Ende Juli unvorstellbar gewesen war: Die SPD-Fraktion erklärte ihre Zustimmung zu den Kriegskrediten. (…)

Die „Sozial„demokratie hat dadurch auch den Begriff des Sozialen und der Solidarität zerstört, denn das Kapital ruiniert Gesellschaft(en) samt Familienverbänden und setzt auf aggressive Konkurrenz. Konkurrenten werden zu Feinden, die einander „bis auf’s Messer“ (d.h. gewalttätig und militärisch) bekämpfen.

Eben deshalb schrieb die Kriegsgegener*in und Kommunistin in der SPD, Rosa Luxemburg ihr Buch: „Die Krise der Sozialdemokratie„.

Sie äußerte darin:

(…) Mitten in diesem Hexensabbat vollzog sich eine weltgeschichtliche Katastrophe: die Kapitulation der internationalen Sozialdemokratie. Sich darüber zu täuschen, sie zu verschleiern, wäre das Törichtste, das Verhängnisvollste, was dem Proletariat passieren könnte. »…der Demokrat« (das heißt der revolutionäre Kleinbürger), sagt Marx, »geht ebenso makellos aus der schmählichsten Niederlage heraus, wie er unschuldig in sie hineingegangen ist, mit der neugewonnenen Überzeugung, daß er siegen muß, nicht daß er selbst und seine Partei den alten Standpunkt aufzugeben, sondern umgekehrt, daß die Verhältnisse ihm entgegen zureifen haben.« (…)

Die „S„PD hat diese Kritik von Luxemburg nicht nur nicht beherzigt, sondern diese kluge Frau wurde von der Noske-Soldateska vier Jahre später heimtückisch ermordet. Das „Hamburger Programm“ der „S„PD spricht Bände über die Resistenz von Selbstkritik seitens dieser Partei. Eine Partei, die über Leichenberge marschiert und deshalb – inklusive aller anderen (klein-)bürgerglichen Parteien (wozu auch „die Linke“ zählt) ist für mich nicht wählbar.

Der Krieg, der – im Grunde schon vor – 1914 begann (beim Kolonialismus und Sklavenhandel in Latein-&Mittelamerika sowie Afrika waren auch  alle führenden europäischen Großmächte beteiligt) dauert immer noch an.  Er hat verschiedene Phasen durchlaufen. Ich weigere mich, die Ideologie bürgerlicher Historiker zu goutieren, die eurozentristisch agieren und argumentieren. Dies, weil ich „Welt“ als ideologischen Begriff ansehe und weil es – auch der anderen Seite bzw. dialektisch reflektiert – noch nie „Weltfrieden“ gab. Dieser  ist jedoch erst dann möglich, wenn die Menschen sozial gleich sind und das konkrete Individuum als menschliches Gattungswesen zufrieden ist, d.h. seine natürlichen Bedürfnisse auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnis (Ernährungswissenschaft, Agrikultur (heute sehr wichtig: die Permakultur), Medizin sowie alle anderen Naturwissenschaften). Erst wenn die Zwänge der Kapitalverwertung abgestreift sind, kann die Wissenschaft dem  Menschen dienen.

 

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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