Zur Aktualität kapitalistischer Gesetze

Vorbemerkung:

Anlässlich des aktuellen G20-Treffens in Hamburg wurde mir ein (fast) dreißig Jahre altes Flugblatt zugespielt. Laut Vorspann diente es damals der Vorbereitung geplanter Aktionen zur Herbsttagung von IWF und Weltbank 1988 in Westberlin. Angesichts der grundsätzlichen Bedeutung der Analyse halte ich eine breitere Veröffentlichung zum Zweck theoretischer Reflexion auch heute noch für angebracht:

Entwicklung unter dem Gesetz des KAPITALs

von Rosalinde Gölitzer

Im Kreis der Aktivisten für eine Kampagne gegen die Politik vom Internationalen Währungsfond und Weltband besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass beide Institutionen wesentlich die Ausweitung des weltweiten Elends fördern.

Merkwürdig erscheint mir, dass in unseren Diskussionen Verantwortliche und Beweggründe für deren politisches Handeln noch ziemlich abstrakt bleiben. Die „Schuldenkrise“ sei verantwortlich für das Elend der lateinamerikanischen Völker, dahinter stünden „der US-Imperialismus“ und „die Banken“…

Über die konkreten Mechanismen „imperialistischer Ausbeutung“ und Austauschmodalitäten zwischen Zentrum und Peripherie macht sich kaum mehr jemand Gedanken. Ich will versuchen, originär Marxsche Argumente wieder (?) in die Diskussion einzubringen.

Erzhausen im Oktober 1987

Der Imperialismus in der Sicht Rosa Luxemburgs

Laut Aussage heutiger Apologenten des Marxismus-Leninismus haben Lenin und Luxemburg „den Imperialismus“ verschieden analysiert, bzw. verschiedene Konsequenzen gezogen. Dennoch glaube ich, Rosa hat dessen materielles Sein besser verstanden.

Ich zitiere aus ihrer Schrift „Die Krise der Sozialdemokratie“ von 1915:

Das wichtigste Operationsfeld des deutschen Imperialismus wurde die Türkei, sein Schrittmacher hier die Deutsche Bank und ihre Riesengeschäfte in Asien, die im Mittelpunkt der deutschen Orientpolitik stehen. (…) 1901 übergab die türkische Regierung der Deutschen Bank die Konzession für die große Bagdadbahn zum Persischen Golf, 1907 für die Trockenlegung des Sees von Karaviran und die Bewässerung der Konai-Ebene.

Die Kehrseite dieser großartigen, friedlichen Kulturwerke‘ ist der ‚friedliche‘ und ‚großartige‘ Ruin des kleinasiatischen Bauerntums. Die Kosten der gewaltigen Unternehmungen werden natürlich durch ein weitverzweigtes System der öffentlichen Schuld von der Deutschen Bank vorgestreckt, der türkische Staat wurde in aller Ewigkeit zum Schuldner der Herren Siemens, Gwinner, Helfferich, usw. (…) Dieser Schuldner musste nunmehr nicht bloss enorme Summen aus dem Staate herauspumpen, um die Anleihen zu verzinsen, sondern musste für die Bruttogewinne der auf diese Weise errichteten Eisenbahnen Garantie leisten. Die modernsten Verkehrsmittel und Anlagen werden hier auf ganz rückständige, und zum großen Teil naturalwirtschaftliche Zustände, auf primitive Bauernwirtschaft aufgepropft. Aus dem dürren Boden dieser Wirtschaft, die, von der orientalischen Despotie seit Jahrhunderten skrupellos ausgesogen, kaum einige Halme zur eigenen Ernährung über die Staatsabgaben hinaus produziert, können der notwenige Verkehr und die Profite für die Eisenbahn natürlich nicht herauskommen.“ Der Staat treibe nun Abgaben („Zehnten“) über ein verzweigtes Netz von Spekulanten ein. Diesen falle die Aufgabe zu, Naturalabgaben (Getreide etc.) in Geld zu verwandeln – dabei werde „natürlich“ versucht, sich auf Kosten der Bauern zu bereichern.Kann kein Steuerpächter gefunden werden, so werden die Zehnten von der Regierung in natura eingetrieben, in Magazine gebracht und als der schuldige ‚Zuschuß‘ an die Kapitalisten überwiesen. Dies ist der innere Mechanismus der ‚wirtschaftlichen Regeneration der Türkei‘ durch Kulturwerke des europäischen Kapitals.“1

Um diese Aussage zu aktualisieren, müssen wir lediglich Namen und Jahreszahlen etwas verändern: Statt „Türkei“ Brasilien, statt „Gwinner“ und „Helfferich“ Daimler und IG-Farben-Nachfolger, statt „Eisenbahnen“ Atomkraftwerke, statt „Konai-Ebene“ die Paraná-Niederung. Die stoffliche Qualität der „Naturalabgaben“ hat sich ebenso verschoben: Statt Getreide werden heute Kaffee, Zucker und Kokain produziert und auf metropolitanen Märkten in Geld verwandelt – unabhängig davon, ob Regierungen an dem Deal beteiligt sind oder nicht.

Die gesellschaftliche Einheit von Produktion und Konsumtion

Betrachtung über „Produktion“ und Produkte

Zweifellos sind Eisenbahnen und ausgebaute Fernstraßen, Elektrizitäts- und Telekommunikationsnetze Symbole einer fortgeschrittenen Entwickung – einem hohen Stand der „Entwickung der gesellschaftlichen Produktivkräfte“.

Ob solche Errungenschaften allerdings „an sich“ geeignt sind, elementare Bedürfnisse – nach Nahrung, Kleidung, Wohnraum etc. – „für die Menschen“ zu befriedigen, bleibt höchst zweifelhaft.

Gesellschaftliche Produktion“ meint immer, v.a. bei Marx, „sich“ in irgendeiner Form „vergegenständlichende menschliche Arbeit“. „Vorgefundene Naturstoffe“ werden durch menschliche Arbeit umgeformt zwecks weiterer Verwendung als „Produktionsmittel“ oder für den direkten Konsum.

In der bürgerlichen Gesellschaft werden die Subsistenzmittel in „Warenform“ für den Verkauf auf den Markt hergestellt: „Die Ware selbst erscheint als Einheit zweier Bestimmungen. Sie ist Gebrauchswert, d.h. Gegenstand der Befriedigung irgendeines Systems menschlicher Bedürfnisse. Es ist dies ihre stoffliche Seite, die den disparatesten Produktionsepochen gemeinsam sein kann und deren Betrachtung daher jenseits der politischen Ökonomie liegt. Der Gebrauchswert fällt in ihren Bereich, sobald er durch die modernen Produktionsverhältnisse modifiziert wird oder seinerseits modifizierend in sie eingreift.2In der Tat aber ist der Gebrauchswert der Ware gegebne Voraussetzung — die stoffliche Basis, worin sich ein bestimmtes ökonomisches Verhältnis darstellt. Es ist erst dies bestimmte Verhältnis, das den Gebrauchswert zur Ware stempelt.“3

Das stoffliche Angebot auf dem Konsumgütermarkt verkörpert – in mehrjährigem Schnitt – die gesamte gesellschaftlich aufgewendete Arbeit.

Sie hat sich unmittelbar in Konsumtionsmitteln vergegenständlicht – oder aber schon früher in „Produktionsmitteln“. Diese „produzierten Produktionsmittel“ werden im weiteren Produktionsprozess sowohl in natura (Verschleiß), als auch in monetärer Form (Abschreibung) „vernutzt“. Der „Wert“ der Anlagen wird auf die Summe der während deren Lebensdauer damit hergestellten Produkte übertragen (Amortisation). Wurden „Produktionsmittel“ – z.B. Werkzeugmaschinen oder „elektrotechnische Erzeugnisse“ – exportiert, müssen die Produkte selbst oder ein äquivalentes Warenprodukt auf dem Markt „wiedererscheinen“.

Die Vermehrung des gesellschaftlichen Reichtums ist nur möglich durch sinnvolles Zusammenwirkung von lebendiger Arbeitskraft und stofflichen Produktionsmitteln im (industriellen) Produktionsprozess: Für Geld werden auf dem Markt die „Elemente des produktiven Kapitals“ gekauft, im Produktionsprozess „vernutzt“ und in (Waren-)Produkt verwandelt. Der Verkauf der Ware bringt (normalerweise) mehr Geld ein, als ursprünglich vorgestreckt wurde.

Um jedoch am Markt dauerhaft ein solches„Mehr“ erzielen zu können, muss ein entsprechender „zusätzlicher“ Geldbetrag „in Zirkulation geworfen“ werden, der „später“ als Verkaufserlös des unentgeltlich produzierten „Mehrwerts“ zurückströmt.4

Ob nun mit diesem Geld jemand für irgendwelche Dienste („Dienstleistungen“) bezahlt wird, oder zusätzliche Produktionsmittel gekauft werden, ist für das gesellschaftliche Leben unerheblich: Im ersteren Fall wird das Geld in „Naturalform von Konsumtionsmitteln“ umgesetzt, d.h. als „Kapital vernichtet“ (H.-J. Krahl). Im anderen Fall vergegenständlichen sich Arbeitskraft und Produktionsmittel in neuen, zusätzlichen Produkten – egal wie schwachsinnig und überflüssig sie sind.

Dies charakterisiert aber zweifellos die Entwicklung der bürgerlichen Industriegesellschaft!

Technischer Fortschritt – historisch betrachtet

Die sich seit Mitte des 18. Jahrhundert entfaltende Erste „Industrielle Revolution“ eröffnete dem aufstrebenden Bürgertum bislang ungeahnte Perspektiven zur Ausweitung der materiellen Produktion – und den Demokraten innerhalb der aufstrebenden Klasse Perspektiven von allgemeinem Wohlstand und Befreiung der „unmittelbaren Produzenten“ von der alltäglichen Schinderei auf Acker und Hof oder in Minen und Manufakturen.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, ein glühender Anhänger des bürgerlichen Fortschritts – sowohl des sozialen als auch des technischen – sieht bereits Schwierigkeiten:

Aber das Werkzeug hat die Tätigkeit noch nicht selbst an ihm, es ist träges Ding, kehrt nicht in sich selbst (zurück). Ich muss noch damit arbeiten. Ich habe die List zwischen mich und die äußere Dinglichkeit hineingestellt, mich zu schonen und … es (das Werkzeug -R.G.) sich abnutzen zu lassen. Ich bleibt die Seele dieses Schlusses, in Beziehung auf es, die Tätigkeit. Ich erspare dabei aber nur der Quantität nach, bekomme aber doch Schwielen. … Es ist in das Werkzeug auch eigne Tätigkeit zu legen, es zu einem selbsttätigen zu machen. Dies geschieht so, … dass wir die eigene Tätigkeit der Natur, Elastizität der Uhrfeder, Wasser, Wind angewendet wird, um in ihrem sinnlichen Dasein etwas ganz anderes zu tun, … (daß) ihr blindes Tun zu einem zweckmäßigen gemacht wird, zum Gegenteile ihrer selbst: vernünftiges Verhalten der Natur … Der Natur selbst geschieht nichts. Einzelne Zwecke des natürlichen Seins (werden) zu einem Allgemeinen. Hier tritt der (menschl. – R.G.) Trieb ganz aus der Arbeit zurück. Er lässt die Natur sich abreiben, sieht ruhig zu und regiert nur mit leichter Mühe das Ganze: List. (…Es ist die) Ehre der List gegen die Macht (i.e. Naturgewalt – R.G.), die blinde Macht an einer Seite an(zu)fassen, dass sie sich gegen sich selbst richtet, … sie als Bewegung in sich selbst zurückgehen (zu) machen, sich auf(zu)heben. (Der) Mensch ist so das Schicksal des Einzelnen.“5

Diese, noch sehr abstrakten Vorstellungen tauchen später bei Marx unter den Begriffen „Entwicklung der Produktivkräfte“ und „Verwissenschaftlichung der Produktion“ wieder auf. Beides diene dazu, die „gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit“ zur Produktion der „gesellschaftlichen Lebensmittel“ zu verkürzen.

Wenn schließlich die (lebendigen – R.G.) „Produktivkräfte“ entsprechend entwickelt seien, dass sie in unauflösbare Konflikte mit den kapitalistischen „Produktions-“ und Austausch- “verhältnissen“ geraten, werde die „proletarische Revolution“ die „bürgerliche Gesellschaft“ beseitigen und eine „höhere Form von sozialer Produktion“ herbeiführen.

Diese „höhere Form sozialer Produktion“ wird aber keineswegs die vollautomatische Produktion von Müll und Abwärme beinhalten. Zwar soll sich „der Mensch“ Naturkräfte zunutze machen, aber zwischenzeitlich hat die Naturwissenschaft erkannt, dass jene sich nicht „vernünftig verhalten“ können. Gemäß dem Ersten und Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik (Energieerhaltungs- und Entropiesatz, dass sich „Unordnung von selbst“ einstellt) bedürfen „Naturkräfte“ der steten Zufuhr technischer Energie einerseits sowie intelligenter menschlicher Arbeit andererseits. Eine sozialistische Produktionsweise wird zärtlich und verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen; „die Erde unseren Kindern in besserem Zustand hinterlassen“, als wir sie vorgefunden haben.

Produktive“ Investitionen

Dem Zweck – der „Verkürzung der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit“ – sind solche Werkzeuge und Maschinen dienlich, die dem unmittelbaren Produzenten ermöglichen, ein gesellschaftlich benötigtes Produkt in kürzerer Zeit, oder überhaupt erst zu erzeugen:

Ein Hufschmied beispielsweise benötigt Esse, Blasebalg, Hammer und Amboss als „fixes konstantes Kapital, … das in seiner ursprünglichen Naturalform fortfährt im Produktionsprozess zu fungieren.“ Eisen, Kohle und Nägel sind „zirkulierend konstantes Kapital, das im Produktionsprozess vernutzt wird und daher stets zur Gänze erneuert werden muss.“ (Kapital Bd. 2)

In weiten Teilen der „Dritten Welt“ kann der Schmied all dies selbst herstellen oder im Austausch gegen seine Produkte erhalten. Wenn er allerdings einen Bohrer braucht, um die Hufeisen ihrem Zweck zuführen zu können, muss er ihn auf dem Weltmarkt kaufen – „die Produktion von Maschinenwerkzeugen konzentriert sich zu 95% in den Industriestaaten“, die restlichen 5% werden in Argentinien, Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südkorea hergestellt (UNIDO 1984). Entsprechend den auf dem Weltmarkt üblichen Handelsspannen (i.e. „gesellschaftlich durchschnittliche Rate des Mehrwerts“ muss der Schmied einen (wesentlichen) Teil seiner Produkte gegen den Bohrer „tauschen“.

Um in diesem Spiel mithalten zu können, muss der Schmied seine Produktion ausweiten: Die Anschaffung eines mechanischen Hammers erhöht seine Arbeitsproduktivität. Antriebsenergie für den Hammer – fortschittlich: Pressluft ersetzt gleich den Blasebalg mit! – liefert ein elektrischer Kompressor. Der größere Materialdurchfluss der Schmiede erfordert dann bessere Verkehrswege: Straße, LKW, Eisenbahn. Werden diese infrastrukturellen Einrichtungen gekauft, ist eine Finanzierung nur möglich via Verkauf weiterer Produkte auf dem Weltmarkt…

Selbst wenn es innerhalb der Gesellschaft eines „Entwicklungslandes“ möglich erscheint, (z.B. China) all diese Maßnahmen (Elektrizität, Telekommunikation, Fernstraßen etc.) in eigener Regie zu verwirklichen, so kommt deren Gebrauchswert vornehmlich dem „industriellen Kapital“ zugute – in der gesellschaftlichen Bilanz erscheint diese Arbeit als „un(ter)bezahlte Mehrarbeit“.

SOZIALISTISCHE REVOLUTION oder technologische BARBAREI

Marx selbst sah aufgrund seiner ökonomischen Studien und politischen Beobachtungen den historischen Zeitpunkt einer sozialen Revolution seit Anfang der 1860er Jahre bevorstehen. Er beurteilte die Errichtung der Pariser Commune als Beginn der „proletarischen Weltrevolution“. Zwar konnte der revolutionäre Anlauf der Pariser Arbeiter militärisch zerschlagen werden, aber dennoch musste eine andere „Form sozialer Produktion“ eingeführt werden.

Marx nimmt diese Veränderung wahr als „Wertrevolution“ vermittels neuer Technologie. Der „Wert“ der neuen Anlagen geht zwar in „die Produktion aller anderen Waren“ ein, „verwohlfeilert“ aber die Produktion insgesamt.

Die wichtigsten neuen Technologien der 1870er Jahre wurde die Elektrizität für das verarbeitende Gewerbe sowie der Kunstdünger für die Landwirtschaft. Die Verbilligung von Nahrungsmitteln ermögliche massive Lohnkürzungen in der Industrie.

Tayloristische Revolution (Alain Lipietz) und die daraus hervorgehende „fordistische“ Produktionsweise (Fließband) bedeuteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine gewaltige Steigerung der Arbeitsproduktivität und damit der „gesellschaftlich durchschnittlichen Rate des Mehrwerts“); zuerst natürlich im Bereich der mechanischen Montage.

Die chemische Industrie war von Anbeginn weitgehend mechanisiert. Schöpferische Labortätigkeit und eigentliche Fertigung (Überwachung der Anlagen) wurden personell und räumlich getrennt.

Diese „modernen Produktionsverhältnisse“, sowie fehlende natürliche Beschränkungen gegenüber bislang verarbeiteten Rohstoffen, (z.B. Chile-Salpeter als Dünger) ermöglichten der neuen Branche ein mörderisches Dumping auf den Märkten und die Errichtung von Monopolen.

Ausschluss des menschl. Subjekts aus der Produktion

Wie Hegel schrieb, bleibt „ich die Seele“ des Produktionsprozesses. Sogar am Fließband mit dessen menschenverachtender Eintönigkeit bleiben die unter dem Kommando des Kapitals zwangskollektivierten Arbeiter Subjekte der „industriellen Wertschöpfung“. Kein noch so ausgeklügeltes System technischer Kontrolle oder personeller Überwachung kann den „industriellen Gesamtarbeiter“ zur erwünschten Qualitätsarbeit zwingen.

Die Modernisierungsstrategien des industriellen Kapitals seit den Arbeiterkämpfen der späten 1960er und frühen 70er Jahre zielen darauf ab, den von Marx als „revolutionäres Subjekt“ ausgemachten „industriellen Massenarbeiter“ „an sich“ zu vernichten – die eigentliche Wertschöpfung sozial aus der Arbeiterklasse auszulagern und zusätzliche lebendige Arbeitskraft an der Peripherie der kapitalistischen Welt zu mobilisieren.

Im heutigen Zeitalter der Automation werden die für den Produktionsprozess notwendigen Teilfunktionen – die noch im Zeitalter des „Fordismus“ in die Kompetenz des produktiven Arbeiters fielen – bereits im vorhinein in die automatischen Anlagen hineinprogrammiert.

Die Programme selbst werden zwar von lebendigen Menschen erstellt, dann aber industriell vervielfältigt und erscheinen schließlich als „stoffliche Ware“ auf dem Kapitalgütermarkt.

Somit fungiert – stofflich! – nur noch „fixes konstantes Kapital“. Es überträgt seinen „Wert“ auf das zu erstellende „Warenprodukt“ – und kein Quäntchen mehr!

Mit automatischen Produktionsanlagen ist also keine „industrielle Wertschöpfung“ möglich! Um aber überhaupt „fungieren“ zu können, brauchen die modernen „Produktionsmittel“ eine Vielzahl von lebendigen Handlangern und einen gewissen Stamm von hochqualifiziertem Wartungspersonal. Diese Leute werden – relativ zum allgemeinen Lebensstandard – gut bezahlt, so dass der permanente Konkurrenzkampf um die wenigen Industriejobs eine breitere Massensolidarisierung möglichst verhindert.

Nachtrag 2006 – exakt 200 Jahre nach Hegels „Jenenser Vorlesungen“:

Offensichtlich „ist (es) die Ehre der List …“, sich selbst zu überlisten und jegliches politische Bewusstsein darüber gründlich auszumerzen.

Luxemburg, Rosa Werke Bd. 4 S. 83 ff.

2  z.B. als Steuerchip für Werkzeugmaschinen – R.G.

3  Marx „Grundrisse…“, MEW 42, S. 767

4 Marx „Das Kapital“, 2. Bd., MEW 24, S. 398 ff.

5  F.G.W. Hegel, „Frühe politische Systeme“, hrsg. von G. Göhler, Frankfurt/M./Berlin/Wien 1974, S. 219 f

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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