Mordbrenner hüben und drüben. Charakterähnlichkeiten

Papst Franziskus als einer der Oberhäupter dessen, auf was Pegida insistiert, nämlich das christliche Abendland, hat in seiner Osteransprache den Anschlag auf den Flüchtlingsbus nähe Aleppo scharf kritisiert und rief dazu auf, Geflüchteten beizustehen. Verantwortlich für den Anschlag zeichnet sich Da‘esh. Bezüglich der vielen Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und Attacken auf Geflüchtete in Deutschland gibt es kaum Bekennerschreiben, doch auch sie haben das gleich Ziel: Angstmache, d.h. Verunsicherung schüren und Aggression gegen Menschen, die diesem Terror schutzlos ausgeliefert sind. Letztendlich sind sie Agenten des globalen Krieges. Frauke Petry (AfD) forderte vor einiger Zeit ja bereits dazu auf, auf unbewaffnete geflüchtete Menschen zu schießen. Damit aber zeigen sie die Charakerähnlichkeit zu jenen auf, die für den Anschlag auf den Flüchtlingsbus nähe Aleppo verantwortlich sind. Jetzt wird sie bzw. ihre AfD-Kameraden sicherlich darauf hinweisen, dass es ihr angeblich um den Schutz der Grenze nach Deutschland und Schutz der Deutschen ging. Aber die Kriege im Nahen Osten und Nordafrika gehen ebenfalls um „Grenzsicherung“ durch (para-)militärisch organisierte Horden, die Territorien unter sich neu aufteilen und sichern wollen, d.h. auch sie sind permamente Grenzkriege.

Ideologische Grenzpfosten werden zuvor in die moralisch-religiöse sowie politische Sphäre verlagert. Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder auch einer anderen Ethnie bzw. zur politischen Opposition entscheiden oftmals zwischen Leben und Tod desjenigen, der den Mordbrennern unbewaffnet gegenübersteht oder von ihnen überwältigt wird. In Folge patriarchaler Kriege um Territorien und Einflusssphären haben sich Nationalstaaten entwickelt. Aus ihr ging die bürgerliche Gesellschaft hervor. Der bürgerliche Staatsapparat als ideeller Gesamtkapitalist wiederum zielte auf Homogenisierung der Bevölkerung und dem Staat ergebene Untertanen, wozu er eine innere Grenze zog und innere Feindbilder beschwor. Zu letzteren gehörtem zu ihrem Leidwesen die deutschen Juden. Doch auch an äußeren Feindbildern in Konkurrenz um Einflusssphären und globalen Absatzmärkten mangelte es nicht, wie die zahlreichen bürgerlichen Kriege beweisen.

Doch schon im letzten Jahrhundert hat das Kapital alle Grenzen gesprengt und heute wird die Welt von ein paar wenigen „Corporatations“ (Global Player) und ihren Banken regiert und bestimmt.

Heute sind jedoch alle, die dem Neoliberalismus, d.h. dem Kapital dienen, nicht etwa Söldner einer Religion, Zivilisation oder Nation, sondern des globalen militärisch-industriellen bzw. -technologischen Komplexes, der seinen Profit aus der Produktion und dem Verkauf von Rüstungsmitteln (Waffen sowie auch dual-use-Produkten, die ebenfalls militärisch verwendbar sind (1)) zieht und dafür Spannungen und Kriege braucht.

In der patriarchalen Gesellschaft, aus der auch unser heutiges polit-ökonomisches System – der Kapitalismus – hervorging, hat der Krieg und das Militär immer noch die wirklich Macht und das Militär spielte auch die Hauptrolle in der „ursprünglichen Akkumulation“ des Kapitals. Dies zunächst innerhalb dessen, was heute als „Landgrabbing“ bezeichnet wird sowie auch in der Baumwollverarbeitung: In den Manufakturen wurden zu Beginn der Industrialisierung Uniformen für das Militär gefertigt.

Prominente Theoretiker*innen, wie Luxemburg und Trotzki sprachen bereits am Beginn des letzten Jahrhunderts vom „Verfaulungsstadium“ des Kapitalismus und Luxemburg arbeitete in ihrer „Junius-Broschüre“ („Die Krise der Sozialdemokratie“) das wahre Gesicht des Kapitalismus heraus:

„Das Geschäft gedeiht auf Trümmern. Städte werden zu Schutthaufen, Dörfer zu Friedhöfen, Länder zu Wüsteneien, Bevölkerungen zu Bettlerhaufen, Kirchen zu Pferdeställen; Völkerrecht, Staatsverträge, Bündnisse, heiligste Worte, höchste Autoritäten in Fetzen zerrissen; jeder Souverän von Gottes Gnaden den Vetter von der Gegenseite als Trottel und wortbrüchigen Wicht, jeder Diplomat den Kollegen von der anderen Partei als abgefeimten Schurken, jede Regierung die andere als Verhängnis des eigenen Volkes der allgemeinen Verachtung preisgebend; und Hungertumulte in Venetien, in Lissabon, in Moskau, in Singapur, und Pest in Rußland, und Elend und Verzweiflung überall.

Geschändet, entehrt, im Blute watend, von Schmutz triefend – so steht die bürgerliche Gesellschaft da, so ist sie. Nicht wenn sie, geleckt und sittsam, Kultur, Philosophie und Ethik, Ordnung, Frieden und Rechtsstaat mimt – als reißende Bestie, als Hexensabbat der Anarchie, als Pesthauch für Kultur und Menschheit –, so zeigt sie sich in ihrer wahren, nackten Gestalt.“

Der zunehmende Rechtspopulismus und die Terroranschläge zeigen nur den Zustand dieser – dem Tode geweihten Gesellschaft – auf.

Wer Kriege und Flüchtlingselend beseitigen will, muss danach streben, dieses System zu überwinden und an seine Stelle das menschliche Gemeinwesen, die kommunistische Gesellschaft zu setzen. Das bedarf aber zunächst einer Besinnung auf vor allem menschliche (humanistische) Produktivkräfte. Sie sollten das Ziel haben, für das Wohlbefinden des menschlichen Individuums zu produzieren.

Keine einzige der zur Wahl stehenden Parteien strebt dies an. Wenn wir die Politik reflektieren, so deutet sich darin bereits an, dass der Zerfall Jugoslawiens und der darin stattgefundene barbarische Krieg nur ein Vorgeplänkel war. Der Zerfall Europas wird noch wesentlich grauenhafter.

AfD und Co.KG beschleunigen diese Entwicklung. Am Ende werden jedoch auch sie im Bombenhagel untergehen, wenn es den Produktivkräften nicht gelingt, eine Alternative zum bestehenden System zu schaffen.

(1) An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass das Internet, dass aus dem militärtechnologischen Apparat der USA stammt, ebenfalls ein dual-use-Produkt ist. Ferner gilt zu bedenken, dass immer mehr dieser Produkte leider immer stärker in den Sog der Destruktivkräfte und damit des Cyberwar geraten.

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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