Das imperialistische Patriarchat heute

Vorwort:

Zu mir und meiner Motivation: Ich bin Patriarchatskritiker*in geworden weil meine Kindheit von patriarchaler, häuslicher Gewalt überschattet war. Meine Mutter wurde in der Ehe vergewaltigt, ihr jede Selbstbestimmung geraubt und nach langem psychischen Leiden, in dem sie als Objekt der deutschen Pharmamedizin missbraucht wurde, erhängte sie sich in einer Psychiatrie. Ich selbst wurde als Kind ständig verprügelt und sexuell missbraucht sowie im Alter von 15 Jahren von zwei deutschen Männern vergewaltigt. Auch die männlichen Lehrer verabreichten uns Schläge auf die Wangen, wenn wir im Unterricht einen Fehler machten. Unser Englischlehrer in der Mittelschule war besonders brutal, weshalb ich in Bezug auf die englische Sprache neurotisch wurde. Für mich waren deutsche Männer die gewalttätigsten, die auf diesem Erdball herum liefen. Kein Wunder, ich wurde 1956, nur 9 Jahre nach dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland geboren und die meisten Personen, mit denen ich in Berührung kam, waren im NS sozialisiert und zumeist Mittäter, die mir (ich war ein freches Mädchen aus dem Proletariat) immer wieder an den Kopf warfen, dass „man“ vergessen hätte, mich „zu vergasen“. Diese Gewalterfahrungen führten dazu, dass ich mich in meiner Jugendzeit begann, mich intensiv mit der Geschichte, den gesellschaftlichen Voraussetzungen und Grundlagen dieser patriarchalen Gewalt zu beschäftigten. Erst später lernte ich durch Genderforschung, dass weltweit über 95% aller Homizide / Femizide von Cis-Männern begangen werden. Ich verstand mich lange Zeit als Feministin, organisierte Frauendemonstrationen gegen Männergewalt, arbeitete in Frauengruppen mit, doch kritisierte Alice Schwarzer öffentlich auf einer Veranstaltung in Berlin, als sie für „Frauen in’s Militär“ warb und distanzierte mich u.a. deshalb vom bürgerlichen Feminismus, blieb aber weiterhin Patriarchatskritiker*in.

Was bedeutet das imperialistische Patriarchat heute?

Die patriarchale Macht und Gewalt ist im militärindustriellen Komplex konzentriert. Produzierte Waffen wurden schon in Zeiten der Stammeskulturen vor der Entstehung der Sesshaftigkeit und Gründung von Stadtstaaten nicht nur zur Jagd benutzt, sondern auch zum Frauenraub. Frauen waren die ersten Menschen, die versklavt wurden. Und sie wurden stets doppelt ausgebeutet, da ihre Gebärfähigkeit als „Natur“ angesehen wurde, die sich von patriarchal organisierten Stämmen angeeignet wurde. Dies zeigt auf: Frauen sind das kolonialisierte Geschlecht. (siehe dazu die Forschungen von Gerda Lerner)

Der militärindustrielle Komplex, der auch durch patriarchalen Korpsgeist (Männerbündelei) gekennzeichnet ist, ist zu einem miltärtechnologischen geworden. Der Krieg gegen die Geflüchteten richtet sich in besonderer Weise gegen geflüchtete Frauen. Dies, weil die Kriege den Zweck haben, die „Überflüssigen“, das Surplusproletariat (früher wurde viel von „Überbevölkerung“ gesprochen!),  zu reduzieren, insbesondere die, die noch mehr „Überflüssige“ produzieren, worauf ich gleich noch genauer eingehen werde.

Das imperialistische Patriarchat versklavt Frauen nicht nur massiver als je zuvor, sondern mehr denn je sind es Frauen, die weltweit durch Kriege und deren „Nebenwirkungen“, wie zerstörte Ernten, Massenvergewaltigungen mit anschließender Hinrichtung ermordet oder durch Menschenhandel mit Zwangsprostitution schleichend getötet werden. Viele ersticken auch im Kerker der häuslichen Gewalt von Ehe und Familie.

In Deutschland wurde erst ab 1995 die Vergewaltigung in der Ehe strafrechtlich verfolgt. Was aber ist mit unseren Schwestern, die dies nur unter Nachteilen anzeigen bzw. dadurch mit Ausweisung bestraft werden, weil sie noch kein Bleiberecht haben und dies aufgrund einer gescheiterten Ehe dann nicht bekommen? Eine Ehe mit einem Deutschen einzugehen ist für geflüchtete Frauen oftmals die einzige Möglichkeit, ein Bleiberecht zu bekommen und genau dies fördert die Zwangsprostitution, da viele deutsche Männer ihre Ehefrauen „anschaffen“ schicken.

Und hier noch ein anderer Blick auf den Sexismus a la „Tittytainment“, der in der Debatte bezüglich der Silvesternacht in Köln überhaupt nicht zur Sprache kam:

Die microelektronische Revolution hat die Produktion grundlegend automatisiert. Der Faktor Mensch bzw. die lebendige Arbeitskraft wird im heutigen Produktionsprozess kaum noch gebraucht. Im Buch „Die Globlisierungsfalle“ das 1998 erschien, wurde ein Treffen der ökonomisch mächtigsten Bosse, Manager, Thinktanks und Politiker in San Franzisco beschrieben. Hauptdiskussionsthema der Veranstaltung war die These, nach der im 21. Jahrhundert nur noch 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ausreichen würden, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. Die restlichen 80%, so war die Strategie, sollten mittels „Tittytainment“ – einer verblödenden und sexistischen Unterhaltungsindustrie – von Aufständen abgehalten werden. Tittytainment ist eine Mischung aus „Tits“ (weiblichen Brüsten) und „Entertainment“. Das ist mit der Grund, warum sich beim Surfen im Internet immer wieder popups mit Pornobildern öffnen und dementsprechend Sexismus verbreiten. Der Sexismus der Medien macht Frauen zu Objekten der patriarchalen Vorstellung von Erotik/Sexualität und setzt die – im Grunde nie vorhandene Hemmschwelle für Tätlichkeiten/Übergriffe von CIS-Hetero-Männern auf Frauen* noch weiter herab. Doch da „Tittytainment“ auch „triviale Unterhaltung“ (Stammtischniveau) bedeutet, wird die Qualität des Journalismus herabgesetzt. Die dadurch hervorgerufene Verblödung bereitet solchen Männern, wie Donald Trump – dessen Gefolgschaft kürzlich noch den Mord an der britischen Labour-Abgeordneten Jo Cox bejubelte – den Weg. Er steht für die Vorherrschaft der „rich, white stupid men“ und wird dementsprechend auch von Rechtspopulisten und Nazis in Europa beklatscht. Woran wir wieder die Gemeinsamkeiten von Sexismus und Rassismus sehen. Der USamerkanische Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist aber auch die Personifikation des Amoklaufes des Patriarchats, das seit dem letzten Jahrhundert ein Massenmordsystem ist. Der Vernichtungswille kommt auch darin zum Ausdruck, wenn Trump davon spricht, dass er auch Atomwaffen einsetzen würde…, denn „Warum stellen wir sie sonst her?“

Der globale Krieg, der sich angeblich gegen jihadistische Terroristen richtet, aber immer mehr von ihnen hervorbringt, hat seit dem proletarischen Aufstand in Tunesien, der durch die Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi ausgelöst wurde und sich über Ägypten bis nach Spanien ausweitete an Dynamik zugelegt. Mit dem Nato-Krieg gegen Gaddafi und dem Krieg gegen Assad versuchte der sogenannte Westen die „Arabellion“ nicht nur durch Einsickern von Militärs in die Reihen der „Rebellen“ und direkte militärische Interventionen unter ihre Kontrolle zu bringen und gemäß ihrer Strategie zu steuern, sondern war und ist gleichzeitig auch dadurch geprägt, dass die imperialistischen Mächte den Kontinent Afrika unter sich neu aufteilen wollen. Insofern galt die Beseitigung Gaddafis auch der Schwächung der Afrikanischen Union.

Die Journalistin und Publizistin Charlotte Wiedemann merkte in einer Veranstaltung zum „Weißen Blick auf Afrika“ sarkastisch an, dass insbesondere die Deutschen ja Afrika sehr mögen, „aber nur ohne Afrikaner“.. Und heute brauchen sie diese weder als „Menschenmaterial“ noch Arbeitssklav*innen. In Anbetracht der kolonialistischen Verbrechen, wie z.B. dem Völkermord an den Herero und Nama,  der nie als solcher von deutscher Regierungsseite eingestanden wurde, ist dies ein unerträglicher Ausblick in die Zukunft, vor allem da Eugenik in afrikanischen Ländern,  wie z.B. in Kenia praktiziert wird.

Insbesondere Thilo Sarrazin hatte vor der Gebärfähigkeit und vor allem – im Gegensatz zu den deutschen Frauen – vor deren Gebärfreudigkeit von Migrant*innen – unverschämt sexistisch und biologistisch – gewarnt. [1] Und seit der sogenannten „Arabellion“ gilt diese als Gefahr, da „die Überflüssigen“ anfingen, gegen ihre Verelendung und Armut zu revoltieren.

Insofern gelten die geflüchteten Frauen in Deutschland auch mehr als „lästige Beigabe“ der von der Wirtschaft und Demographieplanern gewünschten Einwanderung denn als die, die besonders schutzbedürftig sind. [2] Immer wieder sind es Frauen in Lagern, die nicht sexistische Gewalt erleiden müssen, da es kaum noch Frauenfluchtwohnungen gibt. Bitte unterstützt deshalb die Kampagne von „Women in Exile &  Friends“ und ihre Bustour!

Doch kommen wir noch einmal auf die Flüchtlingspoltik der deutschen Regierung und ihren „C“ (für christlich) – Parteien zu sprechen: Gemäß christlicher Ethik hätte es heißen müssen: „Frauen und Kinder zuerst“ bzw. es hätten insbesondere diese aus den Massenvernichtungsregionen dieser Welt herausgeholt und in Sicherheit gebracht werden müssen. Dies unterblieb, denn die „Zivilisatoren“ an der Macht haben sich noch nie durch wirkliche Humanität, sondern eher durch Raubmordpolitik hervorgetan. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass alle patriarchalen Religionen heute ideologisches Schmiermittel für ihre weiteren Raubmordkriege sind.

Diese müssen wir stoppen !

Es ist Zeit für einen – das Patriarchat aufhebenden – humanitären Aufstand gegen die organisierte Unmenschlichkeit!

Holen wir die Frauen*, unsere Schwestern, aus den Lagern!

[1] siehe: http://www.faz.net/aktuell/politik/was-thilo-sarrazin-sagt-staendig-neue-kleine-kopftuchmaedchen-1869063.html (zuletzt abgerufen am 28.06.2016)

[2] Frauen gelten als „Risikoarbeiter*innen“, da sie a) schwanger werden können sowie b) bei Krankheit ihrer Kinder zu hause bei ihrem Kind bleiben müssen. Damit bzw. mit angeblich mehr „Fehlzeiten“ wird sogar die Unterbezahlung von Frauen generell legitimiert. Nicht nur das, in einigen Unternehmen mussten Frauen sogar nachweisen, dass sie sterilisiert bzw. gebärunfähig sind. Siehe auch hier: http://www.berliner-zeitung.de/frauen-wehren-sich-vor-der-weltbevoelkerungskonferenz-gegen-zwangsmassnahmen-ohne-sterilitaetsnachweis-keinen-job-17270304

Advertisements

Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Kriegsmaschinerie abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Das imperialistische Patriarchat heute

  1. alikase99 schreibt:

    Dieser Artikel enthält *nicht* den Neo-Behaviorismus (http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/download/33/191) in den USA, in dem eine grundlegende Wesensungleichheit zwischen den Geschlechtern behauptet wird. Angeblich hätten wissenschaftliche Studien ergeben, dass Mädchen eher schüchtern und zurückhaltend sind, während Jungen „draufgängerischer“ seien, also die alten Stereotype…( http://webfu.univie.ac.at/wp/555) und die Differenzierung zwischen Mädchen und Jungen wird sogar mittels Farben (pink für Mädchen und blau für Jungen) – sogar für Legosteine! – wieder betont.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s