Berliner JobCenter blockiert die Betreuung einer 92jährigen Frau durch deren Tochter

Marianne S. *, 55 J., verwitwet, Dolmetscherin und Sprachlehrerin, kam im Herbst letzten Jahres nach Berlin, wo sie früher schon mal gelebt hatte und die „Beratungsstelle für Frauen in binationalen Partnerschaften“ mitgegründet hatte. Sie war auch mit einem amerikanischen Staatsbürger verheiratet und in Berlin getraut worden, mit dem sie später längere Zeit in den USA und anderen Staaten gelebt hat. Zuletzt lebte sie in Stuttgart*, wo Sie von Zuhältern bedroht wurde, da sie dort gegen Zwangsprostitution von insbesondere Minderjährigen agiert hatte und sie dadurch zur Flucht aus dieser Stadt genötigt wurde. Sie besorgte sich eine Arbeitsstelle in Berlin, bekam bei einem Besuch in Berlin dazu eine mündl. Zusage und verließ sich darauf, die Arbeit zeitnah beginnen zu können. Außerdem wollte sie später eine Weiterbildung zur Erzieherhelferin (die es nur in Berlin gab) absolvieren, um dann Sprachkurse für Kinder zu machen.

Doch diese Perspektive platzte: Der zugesagte Job wurde ihr nicht gegeben und sie wurde obdachlos, nachdem ihr Erspartes aufgebraucht war, da sie sich in einer Pension einquartierte und selbst zahlte.  Ihre Suche nach einer preisgünstigen Wohnung war erfolglos und sie kam dann in einem Wohnheim für obdachlose Frauen unter. Für ein kleines Zimmer darin zahlt das JobCenter 1.000,– € monatlich.

Leider wurde auch ihr Weiterbildungsgesuch abgelehnt, da sie angeblich für die Arbeit mit Kindern zu alt sein würde. Auf mich wirkt sie allerdings wie eine 40jährige Frau, die voller Tatkraft und sehr gebildet ist sowie gerne arbeitet.

Kürzlich wurde Marianne S. von ihrer 92jährigen Mutter in Hannover angerufen, die allein lebt und der es aufgrund einer fortgeschrittenen Makula sehr schlecht geht. Nach einem Besuch bei ihr hat sich Marianne S. dazu entschlossen, ihrer Mutter beizustehen und sogar schon eine günstige Wohnung zur Untermiete in Hannover gefunden. Dort kann sie bereits im 1. Juli einziehen und sich um ihre Mutter kümmern.

Doch nun macht das JobCenter in Berlin Schwierigkeiten und baut bürokratische Hürden auf, die zum Verlust der neuen Wohnung führen könnten und zusätzlich die Betreuung ihrer Mutter gefährden: Zur Bewilligung des Umzuges (ohne Möbel!, d.h.: es müssen nur die Fahrkosten von Berlin nach Hannover gezahlt werden) soll sie erst noch sämtliche Atteste über die Krankheiten ihrer 92jährigen Mutter einreichen sowie die Angemessenheit der Wohnung nachweisen.  Für die Wohnung muss noch nicht einmal eine Kaution gezahlt werden, sie kostet 250 € Monatsmiete und alles lässt sich im Internet im Immobilienscout nachlesen. Nicht nur das: Es ist Aufgabe des JobCenters selbst, die Angemessenheit der Wohnung abzuklären!

Zahlt das JobCenter Berlin lieber weiterhin 1.000 €  für die Unterbringung in einer Unterkunft für Obdachlose, statt ein Flixbus-Ticket (Kosten: 11 € ) für die Fahrt nach Hannover und eine Wohnung für 250 € Miete zu bewilligen, die dann aber vom JobCenter Hannover bezahlt werden würde? Sehen JobCenter-Mitarbeiter*innen in ihren „Kund*innen“ ggf. Leibeigene, die sie nur ungern aus der Leibeigenschaft entlassen wollen? Wie viele Geldmittel werden durch solch ein Verhalten sinnlos verschwendet?

*Der Name wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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