Kritische Randbemerkung zu „Berlin für alle“

Im Internet kursiert ein Aufruf, der sich „Berlin für alle“ nennt und zu einem neuen Sozialbündnis beitragen möchte. Das frühere Sozialforum Berlin, das jedoch mit seiner Politik gescheitert ist, ist die Blaupause bzw. Orientierungspunkt für einige Linke – insbesondere die „Interventionistische Linke“ – in Berlin.

Schon beim ersten Treffen im Haus der Demokratie wurde die Analyse und Bestandsaufnahme von den Handlungsoptionen/Aktivitäten/Kampagnen getrennt. Dies ist eine völlig falsche Herangehensweise. Man stelle sich nur einmal vor, so etwas würde in der Medizin gemacht und die „Handlungsoptionsgruppe“ (das Therapeutenteam) auf den Patienten losgelassen, ohne eine grundlegenden Anamnese/Untersuchung durchgeführt zu haben!!! Und der Vergleich ist durchaus berechtigt, da viele linke Soziologen gesellschaftliche bzw. politökonomische Krisen mit einer Krankheit vergleichen.

Das Modell „Ohne Theorie keine Praxis“ – „ohne Analyse kein Aktivismus“ scheint bei den heutigen Linken keine Methode mehr zu sein. Dementsprechend ist der Aufruf mehr eine Aneinanderreihung von Phrasen, statt wirklich Substanz zu haben. Z.B. dieser Satz:

„Wir wollen diese Situation nicht den Rechten überlassen, weder der extremen Rechten, noch den Marktradikalen und ihrem Spar- und Kürzungswahn. Ihr Ziel ist es, die Alteingesessenen gegen die Neuangekommenen und die Unter- gegen die Mittelschicht auszuspielen.“

Irgendwer scheint doch eine Analyse gemacht zu haben, doch stimmt sie? Das „spalte und herrsche“ ist eine sehr alte Strategie zur Herrschaftssicherung. Es geht also um Machterhalt und das ist das wirklich Ziel der herrschenden Klasse. Der Text sticht auch dadurch hervor, dass er jeden Bezug zu Klassen(kämpfen) peinlichst vermeidet und statt dessen von soziologisch von „Schichten“ spricht. Am Klarsten spricht jedoch ein einziger Satz: „Umverteilung muss von oben nach unten geschehen.“ aus, was der nicht genannte und im Hintergrund wirkende Analytiker und Stratege will: Er will auf keinen Fall die Machtfrage stellen, sondern die, die „oben“ sind auch „oben“ lassen, sie sollen nur mehr Geld für soziale Projekte sprudeln lassen…

Kein einziges Wort dagegen verlieren die Aufrufer zur Ursache des Elends, zu imperialistischen Kriegen und Rüstungswahnsinn und zur Kommandogewalt über die Produktionsmittel. wodurch immer mehr Menschen expropriiert werden.

Dieser Aufruf ist durch und durch sozialdemokratisch und wie schon die Sozialdemokraten 1918/19 werden auch diese Sozialagenten von „Berlin für alle“ gegen Kräfte agieren, die radikaler sind und ihnen gegenüber die Rolle der Polizei spielen.

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Über alikase99

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2 Antworten zu Kritische Randbemerkung zu „Berlin für alle“

  1. sophie schreibt:

    Stimme dir zu. Die fehlende Analyse bzw. die komplette Abwendung von jeglichen Analysen, ist vielleicht eines der ärgerlichsten Probleme der heutigen Zeit. Es macht ja auch eine Agitation für den Sozialismus noch schwieriger, da man erst einmal damit beschäftigt ist den Leuten die Notwendigkeit dafür zu erklären.

    Allerdings finde ich es komisch, dass du dann daraus schließt, dass diese Leute etwas mit deinem Anliegen gemeinsam haben – du betitelst die Leute ja als links, das soll ja genau der Hinweis darauf sein, oder?
    Wenn man eine Analyse vom Kapitalismus macht, bei der man feststellt, dass dieser Laden auf Ausbeutung basiert und diese Einrichtung der Welt letztendlich zu imperialistischen Kriegen mit all ihren Schädigungen führt, dann kann ich nicht verstehen wie du eine Gemeinsamkeit mit jemandem herstellen kannst der „die fehlende Umverteilung“ als das Übel ansieht. Oder auch Soziologen als positive Bezugsquelle nennst, obwohl die fernab von einer Analyse des Kapitalismus sind – sind sie doch fortlaufend damit beschäftigt die durch Gewalt eingerichteten Funktionen der Leute innerhalb dieses Wirtschaftssystems als den Grund dafür umzudichten.
    Dann machst du genau den gleichen Fehler wie die Leute bei „Berlin für Alle“. Erstmal eine Gemeinsamkeit unterstellen bevor man über die Analyse gesprochen hat.

  2. alikase99 schreibt:

    Hallo Sophie, „links“ ist einfach eine Bezeichnung aus der Sitzordnung des bürgerlichen Parlaments: (…) im September 1789 hatten die Abgeordneten sich aber in zwei getrennt sitzende Gruppen gespalten. Diese Sitzordnung orientierte sich am britischen Unterhaus, wo die Regierungspartei zur Rechten des Sprechers saß und die Opposition links von ihm. (…) siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Konstituante Insofern bezeichnet der Begriff „Linke“ einfach nur die Opposition gegenüber der Regierung, nicht mehr und nicht weniger. Woraus Du schließt, dass ich mich mit der bürgerlichen Opposition gemein mache, weiss ich nicht. Ich sehe „die Linke“ bzw. die bürgerliche Opposition nicht als positiv an. Auch bürgerliche Soziologen sehe ich nicht als positiv an. Sie waren in dem Text kritisch reflektiert. Insbesondere der Soziologe Peter Grottian, der sich mehr an Proudhon denn Karl Marx orientierte und sozusagen Vaterfigur des früheren Sozialforums Berlin war, hat dementsprechend eine eher mittelständische Politik betrieben, d.h. wie die Sozialutopisten auf einen „gerechten Kapitalismus“ gesetzt. Es zeichnet gerade eine kleinbürgerliche Herangehensweise aus, nicht die Produktion von Kapital zu kritisieren, sondern auf die Zirkulationsebene auszuweichen und nur die „ungerechte Verteilung“ des Reichtums zu bekritteln.

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