Deutsche LeiDkultur

Immer dann, wenn in der Integrationsdebatte Politiker der „C“-Parteien den Ton angeben, triefen aus all ihren Poren die LeiDsätze der Segregation. Später wird dann die „Parallelwelt“ oder auch „Nichtangepasstheit“ bzw. „mangelnde Integrationsbereitschaft“ gegeißelt. Es wird „Anpassung“ gefordert und „Respekt“ angemahnt. Und immer wieder ist von „Kultur“ die Rede. Doch schleppt nicht inzwischen Jedermann und Jedefrau einen eigenen Kulturbeutel made in Mustermann mit sich herum? Kann heute – in Zeiten globalisierter Kulturindustrie – überhaupt noch jemand zwischen Kitsch und Kultur unterscheiden? Existieren wir nicht alle in einer totalitären Waren- und Konsumwelt? Gehören zu dieser „Kultur“ nicht auch Kinderarbeit und -prostitution? Werden nicht rings um die Kiwu-Seen im Kongo und in allen Gebieten der „seltenen Erden“ Massaker verübt, um den Preis der Ware Arbeitskraft möglichst niedrig zu halten und damit die Gewinnspannen beim Verkauf der Mineralien möglichst hoch? Ist nicht der globale Krieg inzwischen Haupt“kultur“, der uns mit Leichenbergen und Plastikmüll überschwemmt?

Herbert Marcuse prägte mal den Begriff der „repressiven Toleranz“. Damit war aber nichts anderes gemeint, als die das Gebot der Unterwerfung unter blinde Verkehrsverhältnisse, die vom Kapital geprägt werden. Blind sind sie insofern, als dass bereits das Produktionsverhältnis nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern auf Ideologie beruht und deshalb Willkür beinhaltet. Und nicht nur das: Krisen und Zusammenbrüche – wie die sogenannte Finanzkrise von 2008 – sind immanenter Bestandteil dieser Produktion, die versucht, die Dauerkrise: die Überakkumulation zu bewältigen.  Vom produktiven „Humankapital“ wird bei diesem Akt der „Integration“ aktives Mitmachen und freiwillige Unterwerfung gefordert. Tugenden darin sind „Tüchtigkeit“ und „Effizienz“. Doch schon während der Debatte um die „Gastarbeiterintegration“ hieß es: „Ihr habt Arbeiter*innen eingeladen, doch Menschen sind gekommen.“ Heute müsste es heißen: „Ihr heißt Flüchtlinge willkommen, doch es sind Menschen gekommen.“ Und natürlich sind alle Lohnsklav*innen Menschen.

kaeseEs stünde den staatlichen und parteipolitischen Integrationsstrateg*innen aller Couleur gut an, sich an diese Debatten zu erinnern, doch sie tun dies wiederum nur auf Basis von „Belastungsanalysen“ und versuchen den „Familiennachzug“ justistisch auszuhebeln. Die staatlich angeordnete „Integration“ beruht von vornherein auf Segregation und Disintegration und verstärkt sie. Diese sind bereits im Begriff „Flüchtling“ angelegt. Dem „Flüchtling“ steht ein Integrationsling, ein Kümmerling und Toleranzling gegenüber und alle wirken auf Basis des bürokratischen Paternalismus.

kaese2„Flüchtlingen“ ist es verwehrt, eine Koch- und Esskultur zu entwickeln, denn sie werden „verpflegt“. Ferner können sie nicht an einer Wohnkultur teilnehmen, sondern sie werden „untergebracht“. Und sie werden vielfach schubladisiert und nach Tauglichkeit sortiert. Eilends für sie angefertigte und ständig „novellierte“ Sondergesetze begleiten sie und stürzen viele von ihnen in Existenzunsicherheit, was bereits schon ihren Aufenthaltsstatus betrifft. Hinter ihrem Rücken vermehren sich die „sicheren Herkunftsstaaten“, obwohl doch bekanntlich die Lebensbedingungen für Menschen auf dem gesamten Planeten immer unsicherer werden, was  bereits durch einen kleinen Seitenblick auf den Ausnahmezustand in Frankreich bewiesen werden kann. Doch zurück zu dem deutschen Aufenthaltsgesetz: Jede Art von Sondergesetzen signalisiert dem „Flüchtling“ jedoch: „Du bist noch nicht wirklich ‚angekommen‘, noch nicht integriert.“ Denn wer vollends integriert ist, braucht keine Sondergesetze und für ihn/sie müsste gelten: „Vor dem Gesetz sind alle gleich.“ Die LeiDkultur schafft also Ungleichheit. Für die, die ungleicher als die Gleichen sind, ist eben deshalb die deutsche Leitkultur eine LeiDkultur: German suffering culture, unter der sie leiden.

Der rechte Terror tut nichts anderes, als der repressiven Toleranz den nötigen Nachdruck zu verleihen und wird von den Politikern, die man durchaus als „nationale Front“ deklarieren könnte, nicht wirklich bekämpft, sondern populistisch instrumentalisiert. Denn ständig hört mensch über die Medien Mahnungen, dass „die Stimmung kippen könnte.“

Deutsche Politiker mit ihrer LeiDkultur sind nicht oder nur sehr schwer integrierbar, denn sie verhinderten bislang ein – sogar von der europäischen und auch deutschen Wirtschaft gefordertes – fortschrittliches Einwanderungsgesetz. Wenn Europa als Einwanderungskontinent und Wirtschaftszone blockiert und zerstört und demnächst auch von Bürgerkriegschaos geprägt wird, dann ist diese LeiDkultur mit dafür verantworlich.

Übrigens hat mich der Artikel „Integriert euch selber!“ von Claudius Seidl in der FAZ zu diesem Blogbeitrag inspiriert und die Debatte der CSU hat mich zu diesem Kommentar veranlasst.

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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Eine Antwort zu Deutsche LeiDkultur

  1. „Die staaatlich angeordnete „Integration“ beruht von vornherein auf Segregation und Disintegration und verstärkt sie. Diese sind bereits im Begriff „Flüchtling“ angelegt. “ Messerscharf!!

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