Dialogforum: Was haben deutsche Waffen mit Flucht & Migration aus Afrika zu tun?

Quelle: Dialogforum: Was haben deutsche Waffen mit Flucht & Migration aus Afrika zu tun?

Die deutsche Rüstungsindustrie macht jedes Jahr ein Millionengeschäft mit Waffen und Kriegsmaschinerie – und feuert so weltweit zahlreiche Konflikte aktiv mit an. Dieser Aspekt spielt in der Debatte um die steigende Zahl an Geflüchteten, die ihre Heimat verlassen müssen, noch eine zu untergeordnete Rolle. Für den Refugee Aktivisten Rex Osa ist jedoch ganz klar: „Wer Instrumente der Gewalt produziert oder ungerechte Wirtschaftsbeziehungen verstärkt, erntet Flüchtlinge.

Gerade auch in Ländern Afrikas sind Kriege und bewaffnete Konflikte immer wieder auch zentrale Fluchtgründe. Und Kriege und Konflikte haben wiederum noch tieferliegende, fast immer wirtschaftliche, Ursachen. Diese spielen aber in den aktuellen Strategien der EU und der Bundesregierung zur „Fluchtursachenbekämpfung“ absolut keine Rolle. Sie setzen auf die Bekämpfung der Flucht selbst – auch mit militärischen Mitteln und Hochrüstung. So wird die Problematik noch verschärft.

Rex Osa sagt dazu:

„Deutschland heizt mit Waffenlieferungen und Kampfeinsätzen innerhalb des NATO-Bündnisses die Konflikte an; geht aber zugleich offensiv gegen die  Fluchtbewegungen vor. Die tatsächliche Ausfuhr deutscher Kriegswaffen verdoppelte sich 2014 im Vergleich zum Jahr davor auf 1,823 Milliarden Euro. Die Bundesregierung genehmigte etwa im Sommer 2011 den Verkauf von 200 »Leopard 2«-Kampfpanzern der Firma Krauss-Maffei-Wegmann an das die Menschenrechte verletzende Regime in Saudi-Arabien. Dies ist nur ein Beispiel, wie deutsche Waffen in Krisenregionen gelangen und gewaltsame Konflikte befeuern.“

Im Rahmen unseres Projekts „Warum wir hier sind? Afrikanische Perspektiven auf Flucht und Migration“ wollen wir mit Rex Osa, Natasha A. Kelly  (Moderation) und Nicolai Röschert (AfricAvenir) diskutieren, wie die deutschen Rüstungsexporte mit Flucht und Migration aus Afrika zusammenhängen und welche direkten wirtschaftlichen und indirekten geostrategischen Interessen dahinter stehen und wer die Profiteure sind. Osa leitet daraus die Notwendigkeit zu politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bei uns vor Ort ab. Aus den Kämpfen der letzten Jahre hat er vor allem dieses notwendige politische Engagement gelernt:

„Wir haben lange dafür gekämpft, damit Geflüchtete würdig aufgenommen werden. Nun gibt es in Deutschland eine antirassistische Bewegung; Ehrenamtliche bringen Kleidung, Nahrungsmittel, setzen sich für humanitäre Bedingungen ein. Sie tun sich aber noch schwer damit, wenn wir die Proteste auf die politische Ebene heben und gegen die deutsche Regierung und die hiesige Rüstungsindustrie wenden; sie sehen Probleme oft nur in den Herkunftsländern.“

Rex Osa ist Bewegungsarbeiter. Als politisch verfolgter flüchtete er 2005 aus Nigeria nach Deutschland. Als Asylbewerber erwarteten ihn statt Schutz Misstrauen und Ablehnung. Statt allerdings die ihm zugewiesene Rolle zu akzeptieren suchte er nach politischen Kontakten, trat 2007 der Flüchtlingsselbstorganisation „The Voice“ bei und beteiligte sich an der Aufklärung des Todes von Oury Jalloh, der 2005 in Polizeigewahrsam verbrannt war. 2010 initiierte er zusammen mit „The Voice“ die „Break Isolation“-Kampagne, die nicht nur zum Empowerment Geflüchteter beitrug, sondern innerhalb der Community und den Soli-Gruppen aus der Antira-Bewegung deutlich machte, wie wichtig die Selbstorganisierung Geflüchteter ist. Er gibt Abschiebeworkshops und vertritt die Bewegung Geflüchteter in Deutschland auf verschiedenen internationalen Veranstaltungen. Er vertrat die Rechte Geflüchteter auf der Internationalen Versammlung von Migranten und Flüchtlingen in New York 2013, auf dem Weltsozialforum Migration in Südafrika 2014 und auf vielen anderen Veranstaltungen der Flüchtlingsbewegung in Europa und weltweit.

Natasha A. Kelly ist akademische Aktivistin, die stets versucht Wissenschaft und Praxis miteinander zu verbinden und die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Transferleitungen zwischen Politik und Gesellschaft zu betonen. Sie ist Doktorandin der Kommunikationswissenschaft, ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin und Hauptvertreterin der Europäischen Union im Landesbeirat für Integrations- und Migrationsfragen des Berliner Senats. Die Dozentin hat an zahlreichen privaten und staatlichen Einrichtungen gelehrt, referiert und moderiert. Darüber hinaus ist die seit 30 Jahren in Deutschland lebende Mutter in unterschiedlichen sozialen Projekten engagiert, so z. B. in der Flüchtlingspolitik oder in unterschiedlichen Frauenselbstorganisationen.

Nicolai Röschert ist langjähriges Vorstandsmitglied von AfricAvenir Berlin, Politologe und arbeitet für Die Linke.

Die Veranstaltung wird auf Englisch und Deutsch stattfinden. Eintritt gegen Spende. Der Ort ist barrierearm erreichbar.

mehr Informationen:  Africavenier, Facebook-Veranstaltung

Mit freundlicher Unterstützung der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit und von Engagement Global.

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„German arms exports and flight and migration from Africa“ Rex Osa discusses with Natasha A. Kelly and Nicolai Röschert Monday, 14.12.15 7 pm Haus der Demokratie und Menschenrechte Greifswalder Str. 4, Berlin

Every year, the German arms industry earns millions by selling weapons and thereby fuels many conflicts worldwide. This aspect is not adequately discussed in the debate about people that flee their home countries because of violent conflicts. For refugee activist Rex Osa, it is obvious that “a country that produces instruments of violence and fosters unjust economic relations will harvest refugees.” Especially in African countries, wars and armed conflicts are reasons for flight. But war and conflict also have underlying economical causes. These economic root causes do not play a role in the current strategies of the EU and the German government to face the reasons for flight and migration. Instead, refugees themselves are fought with military means instead of reasons of flight. This only intensifies the problem. Rex Osa comments:

“Germany actively fuels the conflicts with arms supply and combat missions within the NATO alliance, at the same time they react offensive on the flight movement. The export of German weaponry has doubled in 2014 compared to the previous year, to 1,823 billion euro. In 2011, the German government authorized the export of 200 Leopard-2-tanks from the company Krauss-Maffei-Wegmann to Saudi-Arabia, which is well known for its human rights violations. This is only one example of how German weaponry enters into conflict regions and perpetuates them.”

In the context of our project “Why we are here? African perspectives on flight and migration”, Rex Osa will discuss with Natasha A. Kelly and Nicolai Röschert how German arms export is linked to flight and migration from Africa, which direct economical and indirect geo-strategic interests stand behind them and who profits from arms trade. Osa campaigns a political and economic change here in Germany and, based on his political engagement in the past years, draws the conclusion:

“We did fight a long time for refugees to be accepted. Now we have an anti-racist movement in Germany, volunteers bring clothes, food and stand up for better humanitarian conditions for refugees. But it is still difficult to bring the protests on a political level and to fight those weapon exports since the German government sees the problems solely in the home countries of the refugees.”

Rex Osa works for the Bewegungsstiftung. He came to Germany in 2005 because he was persecuted in Nigeria for political reasons. As an asylum seeker, he experienced mistrust and denial instead of protection. But he did not accept the role of a marginalized refugee; instead, he joined the self-organized refugee forum “The Voice” and engaged in the elucidation of the death of Oury Jalloh, who burned in police custody in 2005. In 2010, he initiated the “Break Isolation” Campaign together with “The Voice” which not only contributed to the empowerment of refugees but also revealed the importance of refugee self-organization. He gives workshops on deportation and represented the movement of refugees in Germany at several international e events, for example the International Summit of Migrants and Refugees in New York 2013, the World Social Forum in South Africa 2014 and many other events in Europe and worldwide.

Natasha A. Kelly is a PhD student at the Department of Communication Studies of the University of Münster and former research assistant and lecturer at the Centre for transdisciplinary Gender Studies, Humboldt University Berlin. She is a writer and journalist and has been active in the anti-racist movement for many years. In May 2012, she was elected to the State Advisory Council for Integration and Migration of the Berlin Senate as the representative of the European Union.

Nicolai Röschert is a long-term vice-chair person of AfricAvenir Berlin. He is a political scientist and works as research assistant for the German Bundestag.

Language: German and English Entrance: donation,  barrier-free location

More information

Invite facebook friends!

With the kind support of the Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit and Engagement Global.

Sofia Casarrubia Projektkoordinatorin – Project Coordinator – Coordonnatrice de Projet

AfricAvenir International e.V., Kamerunerstr. 1 13351 Berlin

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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