Religiösität ist und schafft „Unmündigkeit“

Aufgrund dessen, dass ein Großteil der heutigen Kriege, speziell des Krieges des „Islamischen Staates“ (IS), aber auch die ständigen Scharmützel im Nahen Osten, Palästina und Israel als Religionskriege gelten und von fanatisierten Gläubigen geführt werden, ist es höchste Zeit, eine Kritik der Religionen zu praktizieren.

Ich beginne mit mir selbst, denn auch ich wurde sogenannt „römisch-katholisch“ getauft und christlich erzogen. Dies alles gegen meinen Willen und sogar gegen den wirklichen Willen meiner Mutter, die gegenüber den patriarchalen Kirchenfürsten und gegenüber der Bibel sehr kritisch eingestellt war. Aber sie hatte Angst, dass ich in der katholischen Kleinstadt und der Großfamilie der Katholiken ausgegrenzt und gemobbt werden würde, wenn ich nicht der Mehrheitsreligion gemäß erzogen werden würde.

In meiner Schulbildung – und zwar schon in der Grundschule – war Religionsunterricht Pflichtfach. Wir Kinder waren damit Objekte der Indoktrination, obwohl wir erst ab dem Lebensalter von 14 Jahren als „religionsmündig“ gelten.

mündig Adj. std. (14. Jh.), mhd. mündec, mndd, mundich. Abgeleitet von Mund, „Schutz“ m Sinne von „Vormundschaft“, also „wer sich selbst schützen und damit auch gesetzlich vertreten darf. Präfixableitung: entmündigen. (Kluge, etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, S. 637)

Und genau hier beginnt meine kritische Reflexion: Kann nicht ein Mensch erst dann wirklich „mündig“ sein, wenn er über alle Religionen voll umfänglich informiert ist, d.h. über einen Wissensschatz verfügt, der ihn vor der Gefahr der Indoktrination schützt? Eine aber bereits indoktriniert und ideologisierte, d.h. verblendete und dadurch krank gewordene Person kann sich aber gar nicht schützen. Außerdem: Wie kann ein Staat, der ausdrücklich alle Religionen toleriert (Grundrechte, Artikel 3 Abs. 3, Artikel 4 Abs. 1 und 2) Kinder nur gemäß einer einzigen Religion schulen? Hätte er nicht die Pflicht, den Kindern eine Geschichte der Entstehung der Religionen zu präsentieren und sie gemäß der chronologischen Entwicklungsgeschichte über alle Weltreligionen aufzuklären? Denn erst, wenn sie tatsächlich alle Religionen kennen und sie außerdem kritisch reflektiert haben, können sie sich mit 14 Jahren entscheiden, ob sie einer der Religionsgemeinschaften angehören wollen, ob sie die Haltung einer Agnostiker*in annehmen oder ob sie zum Atheismus neigen.  Auch im „Gesetz über religiöse Kindererziehung“ heißt es:

„Nach der Vollendung des vierzehnten Lebensjahrs steht dem Kind die Entscheidung darüber zu, zu welchem religiösen Bekenntnis es sich halten will. Hat das Kind das zwölfte Lebensjahr vollendet, so kann es nicht gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden.“

Eltern und Kindern werden Schutzimpfungen empfohlen, aber vor religiöser Indoktrination werden sie nicht geschützt. Im Gegenteil. Dies u.a. deshalb, weil der der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Bezug auf Kreuze in Klassenzimmern wieder einknickte. Und 2017 wird „Pro-Reli“ gruselig aufgerüstet:

„2017 feiern zum Beispiel evangelische Christinnen und Christen das Reformationsjubiläum. Wenn Martin Luther gefordert hat, dass jeder eine Bibel zu Hause haben und diese auch lesen können soll, dann ist das auch ein Auftrag für Bildungsplanung und Schulentwicklung. Kirche orientiert sich an den Menschen, die gemeinsam über ihre Religion sprechen und zusammen Feste feiern. Jugendliche, die heute im Sinne Luthers erfahren, dass Religionstraditionen kultureller Bestandteil unserer Gesellschaft sind, werden sich eher einer Konfession zugehörig fühlen und eine positive Einstellung zum eigenen Bekenntnis finden. Die Heilige Schrift ist für den Religionsunterricht essentiell, auch wenn sie nicht für alle Bekenntnisse die einzige Vermittlungsform der Offenbarung darstellt.“ Quelle: Ein staatlicher Bildungsserver

Ich habe selber erst kürzlich noch in einer Schule gearbeitet und musste erleben, dass die muslimischen Kinder die „Freistellung“ als Ausschluss und wie ein Stigma erlebten. Sie empfanden dies als „wir gehören nicht dazu“. Sie litten darunter und waren traurig. Es wurde auch so praktiziert, dass sie den Klassenraum verlassen mussten, wenn der christliche Religionsunterricht begann, was den Ausschluss noch verstärkte. Und dies wurde jahrelang so praktiziert. Segregation und Ausschluss schafft  zunächst Trauer und Frust, dann aber auch bei vielen Aggressionen.

Erst jetzt – und zwar wegen der Indoktrination muslimischer Kinder und Jugendlicher in Moscheen oder Koranschulen durch djihadistische Prediger und wegen der Faszination des IS auf Jugendliche – besinnen sich deutsche Bildungspolitiker und wollen muslimischen Religionsunterricht an Schulen einführen. Doch auch dies ist Indoktrination. Dies deshalb, weil alle Kinder gemeinsam Wissen über alle Weltreligionen und deren Ethik durch den Schulunterricht erworben und es außerdem gelernt haben sollten, Religionen kritisch zu reflektieren.

Da Kinder heute über sexuelle Dinge bzw. über Zeugung und Geburt viel früher Kenntnis erlangen als zu Zeiten, in denen der Mär‘ vom Klapperstorch Glauben geschenkt wurde, fallen auch die Widersprüche stärker ins Gewicht. Dazu gehört bereits die Genesis und die Frage, wie sich denn die Menschheit vermehrt haben kann, wenn Eva nur Söhne und keine einzige Tochter gebar.

Eine aufgeklärter Lehrer*in oder Pädagog*in könnte Kindern leicht erklären, was der Mangel dieser Schriften war: nämlich, dass Frauen und Mädchen den Bibelschreiberlingen der damaligen Zeit keine Bedeutung gaben bzw. sie lediglich als Gebärmaschinen und Sklavinnen des Mannes ansahen, d.h. dass die Religionen patriarchal und allein schon deshalb abzulehnen sind.

Erst wenn die Menschheit die Religionen aufhebt, kann sie mündig werden und sich der Wissenschaft hingeben. Damit würde auch den Religionskriegen die Grundlage entzogen.

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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