Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ made in Europe

(Herzlichen Dank an Dan für die Informationen und politlinkx für seine Kritik)

In den vergangenen Tagen starben im Mittelmeer wieder fast 700 Menschen bei Versuchen, nach Europa zu fliehen. Befremdlich ist an sich schon die Tatsache, daß die Medien darüber eher am Rande berichteten. Dabei dürfte die Zahl menschlicher Opfer der FRONTEX-Eurosur-Festungspolitik in der letzten Woche unwohl selbst die der aktuellen Erzbösewichter vom IS in Syrien und Irak überschritten haben. Vielleicht hören wir deshalb so wenig.

Vor der eigenen Haustür zu kehren, ist unangenehm. Doch daß die tagesschau — ein GEZ-zwangsgebührenfinanziertes „unabhängiges“ Medium mit „Bildungsauftrag“ — die Frechheit besitzt, auch noch aus solchen Tragödien Propagandakapital zu schlagen, macht einen sprachlos.

In einer aktuellen Meldung heißt es zu den Ereignissen im Mittelmeer:

„Unterdessen meldete die Internationale Organisation für Migration (IOM), dass ein anderes Flüchtlingsboot vor wenigen Tagen von Menschenschmugglern rund 300 Meilen vor Malta versenkt worden sei. 500 Insassen würden vermisst. Zwei Überlebende aus Palästina hatten berichtet, dass ihr Flüchtlingsboot von Schleppern auf hoher See gerammt und versenkt worden war. […] Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre es die größte Flüchtlingskatastrophe der vergangenen Jahre. Bei einer ähnlichen Katastrophe waren im Oktober 2013 über 300 Flüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa ertrunken.“ –

http://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlinge-vor-lampedusa-102.html

Man beachte den letzten Satz: „Bei einer ÄHNLICHEN Katastrophe“!? — Der Leserschaft wird damit allen Ernstes suggeriert, auch die Lampedusa-Katastrophe vom Oktober 2013 sei von kriminellen Schleppern zu verantworten gewesen. Dem ist aber bekanntlich nicht so. In Wikipedia z.B. kann man dazu folgendes nachlesen:

„Einer der schwersten Unglücksfälle ereignete sich am 3. Oktober 2013, als beim Untergang eines Schiffes vor der Küste der Insel ein mit etwa 545 Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea beladener 20 Meter langer Kutter sank, der aus der libyschen Hafenstadt Misrata kam. Nach einem Motorschaden steckte nach Zeugenaussagen der Kapitän eine Decke als Notsignal wegen Seenot in Brand. Das Feuer geriet außer Kontrolle. Durch die Panik der dicht gedrängt ohne Bewegungsmöglichkeiten stehenden Passagiere kenterte das Schiff. Die italienische Küstenwache und einheimische Fischer konnten vorerst 155 Überlebende retten. Schätzungsweise 390 Menschen ertranken. Der tunesische Kapitän wurde wegen mehrfachen vorsätzlichen Totschlags und Havarie festgenommen. Die italienische Staatsanwaltschaft hat gegen die Überlebenden ein Ermittlungsverfahren wegen Illegaler Einwanderung eingeleitet.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Lampedusa#Politik

Die Seenot entstand also ursächlich infolge einer Havarie. Das ist Fakt Nummer eins. (NB: Und man beachte auch hier die letzten zwei Sätze!) Noch krasser offenbart sich jedoch die (offensichtlich politisch motivierte) Geschichtsklitterung der tagesschau, wenn man sich erinnert – Fakt Nummer zwei -, daß es damals schwere Vorwürfe gegen die Küstenwache und das EU-Grenzregime FRONTEX gab, u.a. von den vor Ort befindlichen Fischern, die an der Rettung Schiffbrüchiger beteiligt waren: Die Küstenwache hätte viel zu spät gehandelt und sogar weitere Rettungsversuche behindert.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/lampedusa-rettung-vorwuerfe http://www.tagesspiegel.de/8891048.html

Ich hatte bereits berichtet, dass es inzwischen in Libyen Konzentrationslager gibt, in denen die Menschen gefoltert werden. Auch dies unter europäischer Leitung, d.h. „Eurosur“. Aus diesem Grund und voller Anst, in einem dieser Lager zu Tode gequält zu werden, werden aber die „Subsaharians“ regelrecht auf die Boote bzw. in’s Meer getrieben.

Glaubt man ernsthaft bei den Staatsmedien, daß das Gedächtnis der Zielgruppe dermaßen kurz ist bzw. dass sie sich nicht auch durch andere Medien informieren würden? Das wäre nurmehr zynisch. Dies – also die vermeintliche Dummheit und Borniertheit der Nachrichtenkonsument*innen – aber auch noch auszunutzen, um menschenverachtende EU-Politik oder zumindest grobes Fehlverhalten nachträglich reinzuwaschen, statt die Ereignisse wahrheitsgemäß zu rekapitulieren, ist darüber hinaus eine eklatante Verletzung des angeblichen Bildungsauftrages, für den die in Deutschland lebenden Menschen kollektiv monatlich zur Kasse gebeten werden.

Dem ist noch hinzufügen, dass die uns abgepressten Gebühren zur Verleugnung des heutigen Vernichtungsprogrammes von Menschen gehört, denen der Stempel „lebensunwertes Leben“ aufgedrückt wird. Es wird durch die Weigerung der WHO und UNO, rechtzeitig gegen die Ebola-Epedemie medizinisch einzugreifen – was die NGO „Ärze ohne Grenzen“, die als erste vor Ort waren – dringend gefordert hatte, ausgeweitet und beschleunigt.

War die Verweigerung der Hilfeleistung vom „White Stupid Man“ bewusst organisiert, damit man anschließend auch noch Hetzpropaganda damit betreiben bzw. das Versenken der Boote vor Lampedusa legitimieren und durchführen kann? Wenn man die Springer-Presse liest, muss man dies vermuten:

hetzblattEs ist ein Krieg gegen die durch den Kolonialismus und das kapitalistischen Patriarchat Enteigneten, die schon vor langer Zeit – zunächst als „Untermenschen“ und dann als „Überbevölkerung“ stigmatisisiert wurden. Es ist aber insbesondere ein Klassenkrieg, um Hungerrevolten – wie die in Tunesien – vorzubeugen.

Warum immer noch kein geeigneter Impfstoff gegen Ebola entwickelt wurde, liegt daran, dass Ebola als Krankheit der Armen galt.  D.h.: Damit war bislang kein Profit zu machen.

 

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Über alikase99

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