Staatsakt „Aufstehen gegen Judenhass“

eine subjektive Beschreibung

Die Reden auf der Veranstaltung am Brandenburger Tor waren so inhaltsleer und grauenhaft, dass bereits nach kurzer Zeit mein Masochismusreservoir zum Zuhören aufgebraucht war. Man müsste diesen Staat wegen mentaler Körperverletzung verklagen! Allein den Parteigängern der AfD, die massenhaft erschienen, schien dies gefallen zu haben, denn sie lauschten andächtig, sind sie doch nun auch im Staat angekommen. Das Podium machte ebenfalls Staat mit ihnen und verbat sich deren Parteiwerbung mittels vieler Ballons nicht, was den Charakter von Oktoberfeststimmung bzw. Folklore-Brauchtums verstärkte. Es fehlten nur noch Maßkrüge Freibier und Bratwürste. Dann hätte es sicherlich auch mehr Applaus und sogar noch mehr Volk gegeben…

Da die deutsche Kanzlerin als mächtigste Landsmännin Europas gilt, habe ich der Rede von Frau Merkel dann doch noch zugehört: Sie sagte, dass die Shoah ein „Zivilisationsbruch“ gewesen sei. „Wie kommt die Physikerin dazu?“ fragte ich mich, denn in der Gesellschaftswissenschaft von aus dem Judentum stammenden Geistesgelehrten wird dies völlig anders gesehen. Ach ja. sie sprach als Christin, die sich das Judentum, wie dies auch in „christlich-jüdische Zivilisation“ deut(sch)lich zum Ausdruck kommt, einverleibt hat. Die völlige Auslöschung des jüdischen Universalismus (der in der kommunistischen Bewegung –  die von den Nazis als „jüdischer Bolschewismus“ bezeichnet wurde – seinen avanciertesten Ausdruck fand – macht das Wesen der Shoah aus.  Sie war das Resultat ihrer christlichen Zivilisation, die wiederum Menschen aus Latein- und Mittelamerika sowie Afrika als „weiße Barbarei“ bezeichnen.

In der Judaistik wird die Instrumentalisierung der Religion zum zweck des weltlichen Machterhaltes als „Konstantinische Wende“ bezeichnet:

Ich bin keine Expertin in Religionswissenschaften oder Judaistik, sondern habe nur den Begriff „christliche Zivilisation“ – auch im Kontext dessen, was diese für Verbrechen an der Menschheit vollzogen hat (nicht nur innerhalb der Kreuzzüge, sondern auch an den Frauen, die als Hexen verbrannt wurden) mit Freund*innen – reflektiert bzw. habe an Vorträgen von Wissenschaftlern teilgenommen. So z.B. auch an einem von Micha Brumlik im Haus der Demokratie, dessen Buch: „Deutscher Geist und Judenhass“ für mich sehr lehrreich war. Nun war mir klar, woher Karl Marx seine Judenfeindschaft (in „die Judenfrage“) hatte. Bei ihm habe ich gelernt:

Vorläufer des sogenannten „Holocaust“ (Völkermord, Genozid) gab es bereits bei dem Massenmord an den Herero/Nama sowie auch an den Armeniern.

Die deutsche Kanzlerin hat sich auf diesem Staatsakt nur als „Volksingenieurin“ geäußert, die die instrumentelle Vernunft par excellance verkörpert. Doch sie ist lt. Adorno/Horkheimer eines der Elemente des Antisemitismus.

Die gefährlichste Variante des christlichen Zionismus, der in der heutigen Veranstaltung zelebriert wurde, ist der Armageddonismus, vor dem ich schon seit Jahren immer wieder warne. Sie folgen – durch den Aufbau des IS – ihrem Plan:

(…) That modern Israel is the catalyst for the countdown to the End Times (persecution, the Rapture, coming of the Antichrist, etc.), and that current political alignments will determine the future. A major contemporary belief is that the state of Israel (with financial backing from Christians) is destined to war with the pagan nations (Iraq, Iran, etc.), thus bringing about Armageddon, or the end of the world, and thus hasten the Second Coming of Jesus. (…)

http://www.wrmea.org/2007-april/the-dangerous-potent-elixir-of-christian-zionism.html

„I don’t believe that the Jewish State and Modern Zionism would have been possible without Christian Zionism. I think that the many Christian supporters of the rebirth of the Jewish State and the ingathering of the Jewish people in the 19th century made possible the rise of…modern Jewish Zionism. We always had the deeply ingrained desire to come back to our land and rebuild it. …That was made possible in the 19th century, by the resurgence of Christian Zionism.“

http://www.israeltoday.co.il/NewsItem/tabid/178/nid/23369/Default.aspx?article=related_stories

Der „moderne“ Zionismus bzw. das „moderne“ Israel gefallen mir nicht. Wirklich nicht. Ich drücke dies aber jetzt nicht deshalb so vorsichtig aus, weil ich Angst davor habe, als „Antisemitin“ zu gelten… – Sondern: Auch die Moderne ist Produkt dieser Zivilisation, die leider ungebrochen nach 1945 weiter funktionierte…  WWII setzte sich im „Nahen Osten“ fort.

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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