Kinderrechte in’s Grundgesetz?

Kindeswohl; zwei Kinder äußern sich unterschiedlich in der selben Situation

Kinder müssen als autonome Individuen respektiert werden

Heute war ich auf einer Sitzung der Kinderkommission zum Thema „Kinderrechte ins Grundgesetz“ Zunächst gaben die die eingeladenen Sachverständigen Dr. Reinald Eichholz, Prof. Dr. Manfred Liebel, Prof. Dr. Jörg Maywald, Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig und Prof. Dr. Dr. Reinhard Wiesner, ihre Stellungnahmen ab, die hier auf der Bundestagsseite im pdf-Format downloadbar sind.

Je länger ich ihnen zuhörte, umso unruhiger wurde ich. Dies lag eben daran, dass Elternschaft, Sorgerecht und Familie mitsamt des Milieus einer Gesellschaft, die längst bewiesen hat, dass jeder Mordverdacht gerechtfertigt ist, nicht kritisch reflektiert wurde. Aber niemand von ihnen lebt halt in einem sozialen Spannungsgebiet,, in dem sich auch immer Dumpfbeutel tummeln, die besser keine Kinder zu ihren Leibeigenen zählen sollten. Hiermit meine ich einen Erzeuger, der vor nicht allzu langer Zeit seine frierenden ca. 5 Jahre alte Tochter auf öffentlichem Straßengelände anfuhr: „Wenn Du noch einmal sagst, dass Du frierst und weiter hier rumzeterst, kommst Du nach Buchenwald!“ Wie schlimm muss er dann zu seiner Leibeigenen erst in den häuslichen vier Wänden sein? Es ist diese Lebensbornierung, die die Leibeigenschaft von Kindern in eine Hölle verwandelt und als Strukturelement der bürgerlichen Kleinfamilie post Lebensbornin vielen Büchern beschrieben wurde. Die kritische Reflexion der bürgerlichen Kleinfamilie begann während der Studentenrevolte 1968 und begann mit der Aneignung der Psychoanalyse durch die Studenten, dem Studium von und bei Theodor Wiesengrund Adorno. Auch die Wiederaneignung der Schriften des Ehepaares Otto und Gerda Rühle etc. gehört dazu. Die Kritik wurde praktisch umgesetzt, indem Kommunen gegründet wurden. Spurenelemente dieser Bewegung finden sich noch im Artitkel „Familie im Wandel: Hölle im Reihenhaus“ des Spiegel-Autors Reinhard Mohr.

Doch wieder zurück zur Sitzung des Ausschusses: Dort war von dieser Kritik der bürgerlichen Kleinfamilie nichts mehr zu finden. Dies ist kein Wunder, da das Familienministerium die Oberhohheit über die Akteure besitzt. Insofern ging die Argumentation darauf hinaus, dass Kinderrechte auch Eltern und die Familie stärken würden. Insbesondere die sogenannten „Sachverständigen“ sangen dies im Chor und hofften vielleicht auf weitere hochdotiere Honorarverträge für Forschung und Nachfrage ihres normativen „Sach“verstandes. So bemühte sich allein Prof. Dr. Liebel als „falsche Stimme im Männerchor“ kund zu tun, dass das „Elternrecht“zugunsten einer gesellschaftlichen Partizipation des Kindes zurück gedrängt werden müsse. Recht so! Dies, weil das Kind auch die Möglichkeit sozialer Elternwahl haben müsste, d.h. dass ein Kind sich neue – soziale Eltern – zeitweise oder auch dauerhaft „adoptiert“/aneignet und seinen leiblichen Eltern eine Absage über die „Vormundschaft“ erteilen darf. Kinder(rechte) dürfen nicht instrumentalisiert werden.

Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich daran, dass mich ein Kind mal als „Leihmama“ auswählte und mich darum bat, keinesfalls das Jugendamt zu informieren, denn es fühlt sich woh bei mir und wollte bei mir wohnen. Vor einigen Jahren suchte mich nämlich ein 6jähriger „Ausreißer“ auf, der sich in mich, meinen Freundeskreis und meine Lebensgewohnheiten verliebte und darauf hin beschloss,  mich als Mutter zu „adoptieren“. Da ich keine „Kindesunterschlagung“ begehen wollte, habe ich – gegen den Willen des Kindes – den Kindernotruf über meinen neuen Sohn verständigt. Dies insbesondere deshalb, weil ich Kontakt zur Mutter aufnehmen wollte, um ihr zu signalisieren, dass ihr Kind mich keinesfalls stört und dass es sicher bald Sehnsucht zu ihr bekommen würde und ich ihr ihr Söhnchen dann sofort zurück bringen würde. Kindeswohl beinhaltet für mich das Selbstbestimmungsrecht des Kindes. Und ist es nicht so, dass es Eltern und Kindern gut tun würde, wenn sie mal ’ne Weile Urlaub voneineinander machen? Es kommt sehr häufig vor, dass Ehepartner dies tun – um ihre Ehe zu retten und die verlorene Liebe zueinander die Distanz vielleicht wieder beleben zu können- Hätten dann nicht Kinder, die der Allmacht der Vormundschaft der Eltern ausgesetzt sind und die äußerst repressive Toleranz des Liebeszwanges praktizieren und erdulden müssen, dann nicht noch mehr „Recht“ bzw. besser: NOTWENDIGKEIT dazu, mal auf Distanz zu ihren leiblichen Eltern zu gehen?

Nun ja, all dies hätte ich gern mit der Mutter kommuniziert, doch sie entschied sich dazu, das Selbstbestimmungsrecht ihres Kindes zu missachten und das Jugendamt dazu zu veranlassen, „von Amts wegen“ ihren Sohn umgehend von mir zu entfernen und ihn zu ihr zurück zu beordern; zu bringen.. Ich werde nie vergessen, wie ich von ihm als „Verräterin“ beschimpft wurde und welch traurigen Augen der Junge hatte, als die Amtsschimmel in meine Wohnung geritten kamen, um ihn in das Gefängnis der Leibeigenschaft zurück zu bringen. Dabei hatte ich ihm nur versprochen, nicht das Jugendamt zu informieren (und hoffte auf sensibles Fingerspitzengefühl der Arbeitenden des Kindernotdienstes sowie Empathie der Mutter mit ihrem Kind…. und ich hatte keine Zeit mehr dazu, dem Kind meine Beweggründe für den Anruf beim Kindernotdienst mitzuteilen. In gewisser Weise war ich schon eine „Verräterin“, da ich den Anruf dort nicht mit dem Kind abgesprochen hatte. Mein Adoptivsohn hatte seine Mutter als „Krake“ mit vielen und vor allem laaaaangen Armen beschrieben. Er wollte sich von der Krake befreien, um (s)eine freie. liebevolle Mutter unter dem Müll des bürgerlichen „Sorgerechtes“wieder zu entdecken.. Sie gab uns und sich selbst leider nicht die Chance dazu. Was hätte dieses Kind empfunden, wenn es gehört hätte, dass „die Kinderrechte das Elternrecht stärken“ würden? Es hätte diese Aussage folgendermaßen gedeutet: „Die Krake bekommt noch dickere / längere Arme….“ und würde zweifellos dann das eigene Recht auf Selbstbestimmung, das sich nur im Kampf gegen die „Krake“ behaupten kann, nicht mehr darin finden.

Und tatsächlich: Verschwindet die Substanz und das Subjekt der „freien Entfaltung der Persönlichkeit“ des Kindes nicht, wenn dieser Widerspruch ausgeblendet wird? Ich zumindest hätte den „Sachverständigen“ mit Professoren- und Doktortiteln sowie den unkritischen Abgeordneten gern zugerufen: „Hinsetzen! 6! Arno Gruen lesen!“ Aber dafür hätte ich ein Hausverbot im „Haus des deutschen Volkes“ aufgebrummt bekommen, denn die „freie Meinungsäußerung“ des Auditoriums ist nicht existent nicht. Und damit wären wir bei einem weiteren Blogartikel, nämlich der Reflexion von der Verankerung der Allgemeinen Menschenrechte UND Kinderrechte im Grundgesetz am Beispiel des „Rechts auf Wohnen“, wofür gegenwärtig auch viele Menschen kämpfen.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Marlene Rupprecht (Tuchenbach) für ihre klugen Anmerkungen auf Basis des real existierenden Grundgesetzes und den Forschungen nach Subjekt(en) und Objekt(en) der abstrakten Grundrechte und deren Rechtsidealität. Sie las das Grundgesetz vor und fragte nach den Subjekten der Grundrechte. Tun Sie das auch, lieber Leser: Lassen Sie sich mal Artikel für Artikel auf der Hauptsynapse zergehen.

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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