Der Rassismus in unserem Land muss aufhören! The racism in our country has to stop°

Jimmy in hospital after the racist attack

So steht es auf der Facebookseite für Jimmy C.

Und in einem Video-Beitrag berichtet Jimmy C. ausführlich, was ihm in der Nacht von Sonntag auf Montag angetan wurde.

(English translation will follow tomorrow)

Doch wie können wir den Rassismus stoppen, der tief in dieser Gesellschaft verankert ist?

Er ist auch in der Arbeitsmarktpolitik zu finden und zu den Opfern zählen zumeist die Unterprivilegierten, die Proletarier, da sieleichter angreifbar sind als die, die in den Chefetagen sitzen und sich Guards leisten können. Auch in Bezug auf Staatsrassismus können wir erkennen, dass der Rassismus mit der Klassenzugehörigkeit korrespondiert. Unternehmer, Geschäftsleute sowie Reiche werden vom Staat – insbesondere wenn sie Arbeitsplätze schaffen oder Joint Ventures mit deutschen Unternehmen betreiben – stets Willkommen geheißen und ihnen droht niemals eine Abschiebung und sie brauchen sich auch nicht in Lager einquartieren zu lassen, d.h. sie haben Vorrechte gegenüber denjenigen, die ohne Geldmittel geflüchtet sind, um ihr nacktes Leben zu retten.

Deshalb brauchen insbesondere Flüchtlinge und people of color aus armen Verhältnissen unsere Solidarität. Meine Freundin Judith aus Kamerun arbeitet in der häuslichen Pflege, wie so viele unserer Schwestern aus Afrika. Sie berichtete mir oft von rassistischen Verhaltensweisen von Ausbildern, Mitarbetier*innen, Patienten und Arbeitgebern und sogar von ihrem deutschen Ehemann, den sie keineswegs geheiratet hatte, um an eine Aufenthaltserlaubnis zu kommen, sondern sie war blind vor Liebe und voller Hoffnung auf ein schönes Familienleben. Sie sagte mal „Deutschland macht böse“, wandte sich dann aber ihrer kleinen und süßen Tochter Lea zu, um ihr ein schönes kamerunisches Kinderlied vorzusingen. Dabei beruhigte sie sich dann wieder.

Doch es gibt keinen Grund zur Beruhigung!

Die rassistische Gewaltattacke gegen Jimmy C. schockt mich. Der 2fache Vater verrichtet in der Diskothek Q-Dorf die Tätigkeit eines Toilettenputzers und tatsächlich gibt es für viele Migrant*innen trotz guter Schulausbildung kaum anderen Arbeitsplätze, als im Pflegebereich, als Küchenhilfskräfte bzw. in der Gebäudereinigung – aber selbst diese Tätigkeit wurde Jimmy C. von den Tätern nicht zugestanden, denn sehen ihn als Geschöpf ohne Lebensberechtigung in Deutschland an und tolerieren wahrscheinlich nur „arische“ Toilettenfrauen…

Aber ist dies nicht auch der Wahn. der in den Taten des NSU vorherrschte? Wie viele solcher Morde sollen noch statt finden, bis wir uns mit aller uns zur Verfügung stehenden Macht dagegen auflehnen und diesen Wahn bezwingen? Was für Machtmöglichkeiten haben wir?

Die einzige Möglichkeit, wirklich einzugreifen und Stärke zu zeigen, ist ein Streik, der jedoch von den deutschen Gewerkschaften nicht geführt wird, weil sie selbst Teil der rassistischen Arbeitsmarktstruktur sind. Das dürfen wir nicht mehr tolerieren! Wir sollten mit den in den Gewerkschaften Arbeitenden sprechen und sie zum Handeln und zur Solidarität motivieren und sie dazu auffordern, mit uns zusammen einen Streik zu organisieren!

Stellt Euch vor: An einem Tag im März geht niemand der vielen Arbeitsmigrant*innen zur Arbeit, sondern sie nehmen an Aktionen gegen Rassismus teil und setzen sich für gute Lebensbedingungen ein! Sie/wir organisieren Zukunftswerkstätten, gründen neue Schulen, benennen Straßen um, besuchen Menschen in Lagern, etc…

Wer in einer Schwitzbude arbeitet, die keinen Betriebsrat hat und nicht gwerkschaftlich organisiert ist, lässt sich krank schreiben, auch als Zeichen dafür, dass wir in einem zutiefst kranken System leben, einem System, das viele in Todesgefahr bringt. Mit Transparenten wie „Rassismus macht krank“ „Rassismus zerstört Arbeit“ „Rassismus tötet“ gehen wir mit bunt geschminkten Gesichtern als „multicolored people“ gemeinsam auf die Straße.

In Frankreich und Italien begann vor einigen Jahren die Bewegung „Tag ohne uns“; „48 Stunden ohne uns“ – eine Streikbewegung von Migrant*innen / people of color gegen rassistische Unterdrückung der Mehrheitsgesellschaft und des rassistischen europäischen Staatsapparates. Hier ist ein Video aus dem Jahr 2010 aus Mailand dazu:
Primo Marzo 2010 – Milano – Sciopero dei lavoratori immigrati in Italia

Ein Beitrag über die Aktivitäten in Frankreich/Paris in englischer Sprache:
24h sans nous: Protest in Paris shows impact of immigrants

Und hier noch in französischer Sprache:
1er mars 2010, journée sans immigrés : 24 h sans nous!

Und hier eine Seite mit vielen Flyern, Plakaten,und Links zum 1. März:
1.März-Streik

Auf Facebook:
Transnationaler Migrant_innen-Streik

Nun, daran ließe sich doch anknüpfen, nicht wahr? Aber er muss gut vorbereitet werden. Lasst uns dafür eine Arbeitsgrupe im Camp auf dem Oranienplatz gründen. Kommt am Sonntag um 11 Uhr zum Plenum!

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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