Schützen wir Kinder vor Gentrifizierung!

Kinder brauchen Existenzsicherheit und ihre sozialen Kontakte (Community) !

Unterstützen wir die Kinder und ihren Eltern vom Kotti, dass sie dort wohnen bleiben können !

Kinder am Kotti brauchen ihre Freund*innen

Plakat von Kindern

Immer haben gesellschaftliche Prozesse mit uns selbst zu tun, da Gesellschaft ein komplexes Geflecht aus interaktiven sozialen Beziehungen zwischen Menschen, aus Bedürfnissen, wechselseitigen Abhängigkeiten, Gewohnheiten, etc. besteht. Oftmal wühlen wir, wenn wir mittels einer Information mit Phänomenen konfrontiert werden, unbewusst in unserer Erinnerung und vergleichen Siutationen und Personen mit eigenen Erfahrungen und zumeist teilen wir sie auch unseren Freunden, Freundinnen, Verwandten und Bekannten innerhalb eines Gespräches mit, denn auch Kommunikation gehört zum sozialen Interaktionsprozess, wie Luft zum atmen.

Eben deshalb möchte ich mit eigenen Erfahrungen in Bezug auf das Thema „Gentrifizierung“ und Kindheit beginnen, nachdem ich oft am Kotti war und dort mit vielen Beteiligten – auch d

en Kindern – sprach. Natürlich habe ich auch versucht, soziologische und erziehungswissenschaftliche Studien zum Thema „Auswirkung der Gentrifizierung auf Kinder“ zu ergoogeln, doch dazu später…

Als ich ein kleines Kind im Grundschulalter war, mussten meine Eltern aus der Wohnung ausziehen, in der ich aufgewachsen war, da der Hausbesitzer Eigenbedarf dafür angemeldet hatte. Brutal wurde ich aus meinem Nachbarschaftsmilieu gerissen und von meinen Spielgefährten und Schulfreundinnen getrennt. Ich vermisste sie als meine Vertrauten sehr und auch unsere junge Klassenlehrerin, die ich sehr mochte und bei der mir der Unterricht viel Freude bereitete. Ich kann mich daran erinnern, dass ich deswegen viel weinte, denn wir hatten uns zusammen eine eigene kleine Welt in jahrelanger Arbeit aufgebaut, die aus Spielen, selbst erfundenen Geschichten, Geheimnissen, Verstecken und Regeln bestand, die nur uns gehörten und zu der Erwachsene keinen Zutritt hatten. Denn wir brauchten diese Welt aus Schutz vor der entfremdeten und brutalen Erwachsenenwelt. Ja, wir hatten und benötigten unsere Kindercommunity und waren täglich zusammen. Wir trösteten uns, wenn die Erwachsenen uns Kinder wieder mal ungerecht und herablassend behandelten oder abstraften, wir teilten aber auch Freude und Spielzeug. Wir kannten und achteten uns, denn wir hatten uns gemeinsam erforscht, ein gegenseitiges Vertrauen unter- und miteinander hergestellt und waren zusammen aufgewachsen. Wir hatten auch gemeinsame Haustiere: Hunde und Katzen, Wellensittiche und Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen. Auch Hühner gehörten zu unserer Community hinzu und waren ebenfalls nicht nur Eierspender, sondern Spielgefährten und das Krähen der Hähne weckten uns morgens auf.

Vor dem Verlust ihrer Welt und Kindercommunity und dem traumatisierenden displacement möchte ich die Kinder vom Kotti bewahren.

 

Ich fand im Internet genügend Studien, die belegen, dass bereits ein behutsam vorbereiteter Weg- und Umzug für Kinder schädlich ist. Bei Umzügen allerdings haben Kinder ja sogar noch die Möglichkeit, ihre Spielgefährten hin und wieder zu besuchen und erneut in ihre vorige Community einzutauchen, nicht aber, wenn ganz Häuserblocks geräumt und damit eine Community völlig zerstört wird. Eben deshalb sprechen US-amerikanische Soziologen auch von „displacement“ und Langzeitfolgen auf Kinder, die aus ihnen neurotische, kontaktarme Individuen macht, die sich oftmals bereits in den neuen Schulen nicht integrieren können.

Dies liegt daran, dass Kinder – wenn sie Beziehungen eingehen, sich diese – wechselseitig – richtig erarbeiten müssen Es ist ein kollektiver Kennenlernprozess, in dem das wechselseitige Vertrauen tatsächlich „erarbeitet“ wird. Werden Kinder plötzlich daraus gerissen, so bekommen sie die Wahrnehmung, dass es sich nicht lohnt, erneut diesen Arbeitsprozess auf sich zu nehmen. Auch die Angst vor erneuten Verlusten wichtiger, sozialer Kontaktpersonen lässt sie auf Distanz im sozialen Interaktionsprozess gehen.

Nicht alle Kinder reagieren gleich auf den Verlust ihrer Community, aber jedes „gestörte“ Kind durch Gentrifizierung ist eines zu viel! Wie wichtig das Haus und ihre Umgebung für Kinder ist. Zeigt sich auch daran, dass Kinder sehr häufig Häuser malen. Sie wollen sich „zu hause“ fühlen und selbst entscheiden, wie sie ihr Milieu gestalten und wann sie es ausdehnen. Gentrifizierung zerstört jedoch diesen natürlichen Entwicklungsprozess und fügt den Kindern großen Schaden zu.

Wer mit den Keywords „Gentrifizierung; Kinder“ googelt, findet im deutschsprachigen Netz keine wissenschaftliche Untersuchung, die sich damit beschäftigt. Aber bei „Umzug; Ortswechsel; Kinder“ findet man von Kinderpsychologen eine Fülle von Material, wie etwa in Ratgebermagazinen für Eltern. Sie alle beschreiben die traumatisierenden Auswirkungen, wenn man Kinder nicht behutsam auf den Umzug/Ortswechsel vorbereitet und ihnen nicht die Möglichkeit gibt, mit den Freunden und Freundinnen Kontakt zu halten.

Zurechtstutzung, Verpflanzung, Entwurzelung hin zu Sozial-Fällen?

 

In einigen Magazinen wird gar vor schweren Depressionen und sogar Suizidgefährdung von Kindern als Folgewirkung gewarnt.

Wo bleiben dementsprechend die warnenden Ermahnungen von Kinderschützern, die in Bezug auf Gentrifizierung eine „Härtefallregelung“ für Familien mit Kindern fordern?

Der Begriff„Kindergarten“ suggeriert, dass Kinder wie wie junge Pflanzen angesehen werden, die durchaus „umgesetzt“ werden können, während es für ältere Menschen jedoch schädlich zu sein scheint. Denn auf sie bezieht sich ein Sprichwort: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“.

Menschen sind keine Pflanzen. Wer das denkt und so handelt, ist auf dem Holzweg und schafft Fälle! Gentrifizierung beeinträchtigt die emotionale Disposition oder auch „mental health“ eines Kindes weit mehr als die eines  Erwachsenen!

Dementsprechend ist Gentrifizierung ein Verbrechen an Kindern !

Stoppen wir sie im Interesse der Kinder !

Unterstützen wir „KottiundCo“: http://kottiundco.net/

Advertisements

Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
Dieser Beitrag wurde unter Gentrification abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Schützen wir Kinder vor Gentrifizierung!

  1. Pingback: Lesetipp – Schützen wir Kinder vor Gentrifizierung! » Widerstand Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s