Wut und Trauer über den Mord an Semanur Subay

In der Nacht zum 4. Juni 2012 wurde erneut eine Frau auf brutalste Weise von ihrem Ehemann ermordet. Der Täter schlug und stach auf der Dachterrasse ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg auf die 30-jährige Semanur Subay ein, ermordete sie, zerstückelte ihren Körper und warf ihre Leichenteile in den Innenhof des Wohnhauses. Obwohl Nachbarn die Polizei informiert hatten, blieb jede Hilfe zu spät. Der Mord geschah vor den Augen der Polizei, der Nachbarschaft und der Kinder.

Die sechs Kinder von Semanur Subay, im Alter zwischen 2 und 13 Jahren hatten den grausamen Mord an ihrer Mutter durch die Fensterscheibe der Dachterrasse mit ansehen müssen. Sie werden nun lebenslänglich traumatisiert sein. Damit hat der Täter auch die Kinder seelisch getötet.

Laut Angaben von Nachbarinnen und Bekannten hatte der Ehemann schon in der Vergangenheit immer wieder Gewalt gegen Semanur Subay angewandt und sie erniedrigt. Hiergegen hatte Semanur Subay sich gewehrt und wollte sich von dem Gewalttäter trennen, hat dies aber nicht geschafft, weil die Verhältnisse so sind, dass Frauen des Proletariates sich nun einmal nicht so einfach eine eigene Wohnung mieten und bezahlen können. Und viele wollen aus unterschiedlichen Gründen nicht in ein Frauenhaus. Frauenhäuser sind auch z.T. überbelegt.

Für uns ist dies ein deutliches Zeichen, dass wir uns als Frauen und Fraueneinrichtungen gut organisieren und vernetzen müssen, um solche Morde und jegliche Form von Gewalt gegen Frauen wirksam verhindern zu können. Als Frauen, Freundinnen, Schwestern, Mütter, Nachbarinnen, Kolleginnen, Mitschülerinnen, Bekannte müssen wir den Hilferuf einer Frau ernst nehmen und bereits beim ersten Laut Unterstützung und Solidarität anbieten können.

Wir sind wütend und traurig!

Zugleich wissen wir, dass Morde und Gewalt an Frauen – wie der Mord an Semanur Subay – keine Einzelfälle sind, sondern systematisch verübt werden. Weltweit sterben mehr Frauen im Alter zwischen 14 und 44 Jahren durch Männergewalt als durch Unfälle, Krankheiten oder Kriege, wobei 70% aller ermordeten Frauen durch ihre Partner, bzw. Ex-Partner ermordet werden. Diese systematische Gewalt und Morde bezeichnen wir als Feminizid.

Feminizid umfasst körperliche, geistige, ökonomische und strukturelle Gewalt, die damit einhergeht, Frauen ihres Lebens, ihrer Selbstbestimmung, ihrer Lebensgrundlage und Entwicklungsmöglichkeiten zu berauben. Feminizid ist in allen Gesellschaften existent und betrifft alle Frauen unberücksichtigt ihres Alters, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, sexuellen oder kulturellen Hintergrundes. Feminizid ist ein globales Phänomen, jedoch im Gegensatz zum Genozid, d.h. dem Völkermord, international immer noch nicht geächtet.

Gleich nach dem Mord haben der Frauenverein Dest Dan e.V., die Kurdische Fraueninitiative und weitere Organisationen zu Protestkundgebungen und Trauerfeiern anlässlich des Mordes an Semanur Subay aufgerufen. Auch Cenî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V. und die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. unterstützen diese Veranstaltungen. Denn wir dürfen weder zulassen, dass Gewalt und Morde an Frauen verschwiegen und verharmlost wird, noch dass diese voyeuristisch aufbereitet und zur rassistischen Stigmatisierung benutzt werden. Vielmehr müssen wir unsere Trauer und Wut über den grausamen Mordes an Semanur Subay zum Anlass nehmen, noch stärker daran zu arbeiten, die internationale Solidarität unter Frauen in unserem Lebensumfeld und Alltag zu stärken, die Ursachen partriachaler Gewalt zu benennen und zu bekämpfen.

Schluss mit den Frauenmorden – Schluss mit dem Feminizid!
Unser Leben, unser Körper gehören uns!
Soziale Gerechtigkeit!

Unterstützen wir:
Jin – Jîyan – Azadî! Frauen – Leben – Freiheit!
Cenî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.
Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.

die diesen Mord am 6. Juni 2012 bekannt gaben.

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Über alikase99

I'm struggling for a good future for y-our (your/our) children. Ich bemühe mich um eine gute Zukunft für unsere Kinder. We all are sisters and brothers, children and parents. Wir sind alle Schwestern und Brüder, Kinder und Eltern.
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